Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 11 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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15 gesprochen, dass am Abend unter dem Titel „Revanche für Trautenau" Ausschreitungen geschehen könnten. Dennoch wurde die Versammlung nicht verboten. Der schwache Gendarmerieposten war bis auf 2 Mann schon einige Tage in Prag. In der Versammlung selbst wurde zunächst der Landtagsabgeordnete Preis, der Bericht erstatten sollte, derart behandelt, dass er, ohne gesprochen zu haben, mit seinem Anhang den Saal verliess. Die radikalen Führer : besagter Redakteur R y d 1 o und Dr. Jencik, Mitglied des Exekutivkomitees der staatlichen fortschrittlichen Partei, hielten nun wahre Brandreden, über deren Wirkung sie nicht im Zweifel sein konnten. In einem eigenen Kapitel beschäftigte sich Dr. Jencik mit den Juden: „Nachdem die Juden genügend Geld erwuchert haben, beuten sie uns kapitalistisches war der Tenor seiner von den ordinärsten und unflätigsten Ausdrücken strotzenden Rede. Nach Schluss der Versammlung zog die Menge, das „Hej Slovane" singend, in die Stadt. Keiner der Führer, die sonst an der Spitze von Demonstrationszügen waren, war zu sehen. Offenbar deshalb, damit ihre Intervention nicht in Anspruch genommen werden könne. An der Strassenecke schwenkte ein Teil zum „Deutschen Hause" ab, ein zweiter Teil zog in der ursprünglichen Richtung weiter zu den Häusern der Juden. Der Marktplatz blieb eine Zeitlang menschenleer. Nur den Bürgermeister und den Polizeirat sah man ruhig promenieren, während aus den Nachbargassen der Höllenlärm der klirrenden Seheiben, der Schläge in die Türen und das Johlen der Menge herüberdrangen. Von keinerlei Schutzmannschaft belästigt, konnte der Pöbel gründliche Arbeit tun. Ruhig zog er von einem Haus zum andern, warf kopfgrosse Steine durch die Fenster, erbrach Zäune und Türen und benützte Zaunpfähle und Türpfosten als geeignete Zerstörungswerkzeuge. Jeder Schlag und jeder Steinwurf wurde von dem Rufe „Mazte zidy!" begleitet. Bei alldem zeigte der Pöbel ein merkwürdiges Gefühl für Nuancen, das man sonst nicht vermuten würde. Es waren meist jüdische Gewerbetreibende und Kaufleute, an denen Rache genommen wurde. Nur die Juden sollten für Prag und Trautenau büssen. Der ehemalige Präsident der „Severoceskä jednota", H. Bauer, kam nicht besser fort, wie der deutsche Jude H. Mayer. Gewiss zeigen diese Vorgänge wieder mit furchtbarer Deutlichkeit die Situation der Juden in Oesterreich und speziell in Böhmen. Die neueste Wegtaufen-Affäre. Unser Rechtsschutzbureau hat am 28. Oktober an den Justizminister Dr. Klein folgende Eingabe gerichtet: