Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 11 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Art so ekletant zutage, dass man an Gegenwehr dachte. Eine Deputation von Fabrikanten sprach beim Bürgermeister vor und verlangte energisch eine gleichmässige Behandlung aller Bürger. Sie versäumte auch nicht, deutlich darauf hinzuweisen, dass die konsequente Ausnützung de - Macht zu Ungunsten der Juden in diesen auch den Gedanken auf Gegenwehr wecken könnte, dass auch sie sich ihrer wirtschaftlichen Macht bewusst werden könnten. Der Bürgermeister antwortete, die Herren hätten keine Ursache zur Klage. Ihre Intervention bedeute eine Drohung und beim geringsten Versuch, sie wahr zu machen, (d. h. beim geringsten Versuch zur Gegenwehr) würde eine Revolution in der Stadt ausbrechen, und er müsste die Verantwortung für die Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung ablehnen. Den Hinweis auf die Staatsautorität, die in diesem Falle für Ruhe und Ordnung garantieren müsste, veranlasste diesen Bürgermeister zu der verletzenden Bemerkung: „Bitte, meine Herren, lassen Sie doch gleich Kanonen gegen die Bevölkerung auffahren." Das ganze Gespräch wurde brühwarm dem Redakteur des radikal-staatsrechtlichen Partei-" organes zur Verwendung übergeben. Demselben Redakteur, der sonst immer über mangelhafte Informationen von Seiten der Gemeinde klagt. Das Wort des Bürgermeisters von der Revolution aufgreifend, drohte er, kein Stein dürfe auf dem andern bleiben, wenn diese „jüdische Frechheit" nicht zurückgewiesen werde. In Versammlungen und Gemeinde Vertretungssitzungen wurden geharnischte Resolutionen gefasst. Die Baukanzlei verdoppelte die Chikane, und nur der Energie des Bezirkshauptmanns gelang es damals, eine regelrechte, Judenhetze niederzuhalten. Der Unterschied der Behandlung der arischen und der jüdischen Deutschen, der immer zu merken war, trat da deutlich zutage. Wenn auch die arischen Deutschen von den Tschechen gerade nicht liebkost wurden, so hatten sie unter der Willkür weniger zu leiden. Jetzt liefen die radikalen Mitglieder der Gemeindevertretung zu dem einzigen Arier der Deputation um Informationen. In ihren Blättern behaupteten sie, die deutschen Bewohner der Stadt werden den Juden wenig Dank wissen dafür, dass sie Unruhe in die Stadt trugen. Sie suchten sie sichtlich gegen die Juden aufzuhetzen. Und die tschechischen Juden! Sie wurden trotz aller Anbiederungen niemals besser behandelt als die anderen. Konnte doch sogar der Verkauf eines Hauses durch einen Tschechen an einen tschechischen Juden zur Ursach3 des gesellschaftlichen Boykotts und zu einem bewährten politischen Kampfmittel gegen diesen Tschechen werden. Und nun kamen die Unruhen in Prag und in den deutschböhmischen Städten. Am 29. Oktober schwirrte das Gerücht durch die Stadt, in Trautenau sei das „Närodni dum" demoliert worden, ein Tscheche, ein Königinhofer sogar, sei totgeschlagen worden. Für denselben Tag war eine öffentliche Versammlung angesetzt. Es wurde vielfach die, wie sich erwies, berechtigte Befürchtung aus-