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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-11-01 · 11 (11.1908) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
11 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 11 (sequence 16)
Language
German
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11 Ei» symbolischer und ewiger Zug liegt in dieser Erzählung, die aus tiefer Kenntnis der Natur des schöpferischen Menschen geflossen ist. Nicht nur die eine gewaltige Gestalt, sondern überhaupt alle Gestalten des Alten Testamentes haben die Phantasie der Legendendichter befruchtet, und die Sage webt um Elias, um Jonas, um Judith und Ruth und umrankt sie mit anmutigen oder gewaltigen Arabesken. Man würde des Erzählens kein Ende finden, und so mag es genügen, auf das Leben Abrahams flüchtig hinzuweisen und auf die Opferung Isaaks, wobei die Legende die Gottesergebung feiert und das natürliche Widerstreben der Kreatur nicht verschweigt. Isaak, so heisst es, erkannte sehr bald, dass er selbst zum Opfertier bestimmt war, und er fügte sich dem Willen Jehovahs; ja, er half sogar den Altar aufrichten, auf dem er verbluten sollte. Dann aber bat er seinen Vater, ihn erst zu binden, bevor er das Messer zückte. Denn der Sohn war jung und kräftig und stärker als der Vater, und so fürchtete er, dass er sich wehren würde, wenn sich das Messer seiner Kehle näherte. Aber er woilte vielmehr ein dem Jehovah wohlgefälliges Opfertier sein, und darum Hess er sich binden, um jeden Aufschrei und Widerstand der Natur zur Unmöglichkeit zu machen. Vorher schon hatte er alle Versuchungen Satans, der ihn zum Ungehorsam verleiten wollte, siegreich zurückgewiesen, und auch gegen Abraham selbst liess Satan seine Worte und Künste vergeblich spielen. Da ergrimmte er und ging zu Sarah, die nichts ahnte, und meldete ihr, dass ihr Sohn Isaak vom eigenen Vater geschlachtet wäre. Die Frau machte sich betrübten Herzens auf den Weg, weil sie ihren toten Sohn noch sehen wollte. Aber sie traf den Lebenden und Geretteten, und vor freudigem Schreck hauchte sie die Seele aus, und statt des Sohnes musste Abraham sein Weib begraben. Von hoher historischer Bedeutung muss es erscheinen, dass diese Bereitwilligkeit Abrahams, zu opfern, und Isaaks, sich opfern zu lassen, im Midrasch immer wieder als Grund angesehen wird, warum Gott das Volk Israel zu seinem Liebling erkoren und es trotz seiner Sünden nicht verlassen habe, sondern es aus allen Nöten retten und sich seiner erbarmen wird. Hier hat also der Opfertod, zu dem Isaak bereit war, für die Juden die gleiche Bedeutung wie der Opfertod des Christus für die ganze Menschheit. Wer ist das Original und wer ist hier die Kopie? Die Frage darf wohl aufgeworfen werden, ob vielleicht der Berg im Land Morijah der Ahnherr von Golgatha war, und ob die Opferung und Befreiung des Sohnes von Abraham das Vorbild für die Opferung und Befreiung des Gottessohnes gewesen ist. Ich wage an dieser Stelle keine Antwort. Aber dass solche Fragen aufgeworfen werden können, beweist zur Genüge, wie sehr der Gebildete nicht nur ein poetisches, sondern auch ein lebendiges historisches Interesse daran hat, von diesen alten jüdischen Legenden Kenntnis zu

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