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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-11-01 · 11 (11.1908) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
11 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 8 (sequence 13)
Language
German
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£ Linken und neben ihr der Knabe Moses. Plötzlich streckte dieser seine Hand aus und nahm die Krone vom Haupt des Königs, die er sich auf das eigene Haupt setzte. Darüber erschraken der Pharao und seine Grossen und der frevelhafte Zauberer Bileam rief aus: „Mein Herr und König, denke an den Traum, den du geträumt hast. Weisst du nicht, dass dieser Knabe eins von den hebräischen Kindern ist und der Geist Gottes ist in ihm und er ist es, der Egypten zerstören wird!" Diese Worte des argen Zauberers brachten das Leben des Kindes in Gefahr. Aber der Engel Gabriel, der von Gott gesandt wurde, nahm die Gestalt eines der Fürsten des Pharao an und sprach also: „Das Wort ist nicht gut, eine Seele zu morden, unschuldiges Blut; denn dieser Knabe hat noch keinen Verstand. Befiehl vielmehr, mein Herr und König, ein Edelgeschmeide und eine Feuerkohle vor ihn zu bringen. Streckt er seine Hand aus und greift nach dem kostbaren Stein, so ist erwiesen, dass er Verstand hat und er ist ein Sohn des Todes. Streckt er dagegen die Hand aus und greift nach der Kohle, so ist erwiesen, dass er keinen Verstand hat und er ist frei!" Diese Worte fanden den Beifall des Pharao und seiner Fürsten, und man brachte vor das Kind einen Edelstein und eine Kohle, und schon streckte der Knabe seine Hand nach dem glänzenden Stein aus. Doch neben ihm stand unsichtbar der Engel, der ihm die Hand vom Geschmeide wegstiess. So nahm er die Kohle und steckte sie sich in den Mund, wodurch seine Zungenspitze beschädigt wurde. Aber er war gerettet und der Traum des Pharao sollte sich erfüllen. Solche Erzählungen und Anekdoten ranken sich in üppiger Fülle an der mythologischen Riesengestalt des Moses empor. Er wird ein siegreicher König in einer Stadt, die er durch Kriegskunst und durch List erobert hat; dann wird er ein unsteter Flüchtling und liegt sieben Jahre ohne Trank und Speise im Gefängnis. Aber ein Engel des Herrn ernährt ihn, oder die Tochter seines Feindes, die zu ihm in Liebe entbrennt und seine Befreiung bewirkt. Moses entwurzelt einen Baum, in dessen Stamm der unaussprechliche Gottesname eingegraben ist, und dieser Baum verwandelt sich in jenen Stab, mit dem er Wunder tut. Seine Taten vor dem Pharao, der gezwungen wird, die Kinder Israel ziehen zu lassen, werden mit einem Aufwand von Geist und Phantastik und Ethos und Leidenschaft erzählt, dass eine solche Fülle jede Auswahl von Einzelheiten zur Unmöglichkeit macht, und der Leser sei darum aufgefordert, selbst in diesen mythologischen Strom tief unterzutauchen und sich die Perlen herauszufischen. Nur eine sonderbare Anekdote, die allerdings von Seiten des Uebersetzers ohne historische Erläuterung geblieben ist, verdient es, noch näher betrachtet zu werden. In einem der Psalmen wird der Gott Israels gepriesen, der von allen Göttern allein Wunder tut und der „Egypten durch

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