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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-11-01 · 11 (11.1908) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
11 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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vor Unlust, Verbitterung und Entmutigung bewahrt, dagegen mit jener Liebe und Begeisterung für ihren Glauben und ihr Volk erfüllt werden, welche Herz und Empfinden weckende Belehrung über die Geschichte, Religion, Moral und Ethik unseres Stammes hervorzurufen vermag. Aus altjüdischen Legenden. Von Samuel Lubliuski (Weimar). Im jüdischen Mittelalter entstanden auf eigentümliche Art umfangreiche Legendensammlungen, die auf einer Ueberlieferung von Jahrhunderten beruhten. Uralte Traditionen, wie sie sich von jener stillen Zeit ab entwickelt hatten, als die Juden aus dem Exil wieder nach Palästina zurückkehren durften, und die dann in der hellenistischen und römischen Epoche eine üppige Befruchtung erfuhren, wurden in geschickter oder oft auch sehr ungeschickter Weise dem „Midrasch" einverleibt, den Gebetand Lesestücken der Juden des Mittelalters. Dieser Sitte verdanken wir eine Fülle von mythologischer Ueberlieferung, die längst schon den Gelehrten im Original oder in lateinischer Uebersetzung zugänglich war. Wir Laien standen vor verschlossenen Toren und hörten nur selten verworrene Laute, mit denen wir nichts anzufangen wussten. Nun aber ist auch uns, wenn wir ein wenig Mühe nicht scheuen, die kostbare Schatzkammer zum Teil wenigstens erschlossen, da sich der bekannte Gelehrte Professor August Wünsche entschlossen hat, einige dieser alten Midrasch stücke in das Deutsche zu übertragen. Das verdienstvolle Unternehmen erscheint unter dem Titel „Aus Israels Lehrhallen " im Verlag von Eduard Pfeiffer in Leipzig und ist bereits bis zum zweiten Bande gediehen. Der Uebersetzer gibt die ausdrückliche Erklärung, dass er seine Arbeit nicht nur in den Händen der Fachgelehrten, sondern auch der Gebildeten und namentlich der Dichter sehen möchte. Mit vollem Recht schätzt er den psychologischen und poetischen Wert der Legenden sehr hoch ein; sie gewähren tiefen Einblick in die Seele des späteren Judentums und offenbaren mitunter eine überraschend kraftvolle und farbige Phantasie, die in einer eigentümlichen und manchmal grossartigen Weise Motive der biblischen Erzählung weiter entwickelt hat. Allerdings wurde diesen Legenden nicht das Glück zuteil, rechtzeitig in eine festgefügte künstlerische Form eingefangen zu werden. Sie gingen durch die naive mündliche Tradition des Volkes hindurch und durch die lehrhafte der Rabbiner, die ganz andere als künstlerische Zweke verfolgt haben. Daher ist es oft genug ein Trümmerfeld, das uns umgibt, und wir dürfen auf eigene Rekonstruktionsarbeit schlechterdings nicht verzichten. Es bleibt bedauerlich, dass der verdienstvolle Forscher und Uebersetzer so gut wie nichts getan

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