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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-11-01 · 11 (11.1908) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
11 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 3 (sequence 8)
Language
German
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3 Es war der „Union" dadurch unmöglich gemacht, für die von ihr gewünschten Kandidaten im Wahlkomitee einzutreten und sie dort womöglich durchzusetzen. Bei der Auswahl dieser Kandidaten wären wir auch von der Anschauung ausgegangen, dass es klug und billig wäre, eine so starke Opposition, wie sie sich bei den Wahlen im Jahre 1906 manifestierte — die oppositionellen Kandidaten errangen damals 43 Prozent sämtlicher abgegebenen Stimmen — nicht ganz mundtot machen, sondern ihr freiwillig einige Mandate zuzugestehen, damit sie die Möglichkeit habe, ihre Anschauungen in ruhiger und legaler Weise zu vertreten. Da überdies nach der zwischen unseren Delegierten und Herrn Dr. Stern erfolgten Auseinandersetzung das offizielle Wahlkomitee unser von ihm ursprünglich akzeptiertes Programm fallen Hess und seine Beratungen lediglich auf die Entscheidung der Personenfragen beschränkte, blieb dem Vorstande der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" nichts anderes übrig, als von der Beteiligung an einer Wahlaktion abzusehen, die keinen sachlichen Hintergrund hat und bei der es sich nicht um die Verfolgung und Durchsetzung von Prinzipien, sondern nur um Personen handelte. * * * Nachstellend veröffentlichen wir das von uns aufgestellte Programm, aus welchem unsere Mitglieder ersehen wollen, dass es durchaus keine radikalen Forderungen sind, deren Erfüllung, ja auch nur Diskussion der Präsident der Kultusgemeinde so schroff ablehnte. Das Programm lautet: 1. Die wachsende Bedrohung unserer staatsbürgerlichen Eechte und unserer sozialen Position macht einen fortgesetzten innigen Kontaktz wische n dem Vor standeun serer Kultusgemeinde und der Wählerschaft dringend erforderlich. Wir verlangen deshalb von den Männern, die wir zur Wahl empfehlen, aber auch von dem gesamten Kultusvorstande, dass sie nicht erst vor der Wahl, sondern auch innerhalb der Wahlperiode häufigere Berührung und Aussprache mit der Wählerschaft suchen, deren berechtigten Wünschen in loyaler Weise und frei von jeder Engherzigkeit volle Beachtung zuteil werden lassen und solcherart das Gemeingefühl und die Widerstandskraft der jüdischen Bevölkerung stärken. 2. Auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung erachten wir vor Allem eine derartige Reform in der Veranlagung der K n 11 u s s t e u e r geboten, dass die derzeitige, auf der schwankenden Grundlage des rein diskretionären Gutdünkens der Schätzungskommissionen beruhende Bemessung auf bestimmte Normen und Prinzipien gestützt werde. Nur so wird es möglich sein, eine gerechtere Verteilung der Steuer unter wesentlicher Erhöhung ihres Gesamteffektes zu erzielen. 1*

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