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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 3 (sequence 6)
Language
German
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3 Die Juden in der neuen Türkei. Von Davis T r i e t s c h (Jaffa). Von der Neuordnung der Dinge in der Türkei werden natürlich, wie alle Bevölkerungsschichten, so auch die Juden wesentlich berührt. Wenn sie bei den allgemeinen Erörterungen über die Lage der Türkei wegen ihrer verhältnismässig geringen Anzahl meist nicht mit berücksichtigt worden sind, so dürfte es sich doch lohnen, eine zusammenfassende Darstellung der jüdischen Position im türkischen Reiche zu versuchen. Da ist zunächst darauf hinzuweisen, dass, wie es scheint, die Juden an der neuesten Umwälzung keinerlei Anteil genommen haben, und diese Tatsache, verglichen mit dem Anteil der Juden an Reformbestrebungen in anderen Ländern, ist ausserordentlich charakteristisch für ihre Lage in der Türkei. In der Tat ist die Türkei das einzige Land, in dem die Juden sich hinter den anderen Bevölkerungsgruppen nicht zurückgesetzt fühlen. Andererseits sind ihnen die Rechts-Beschränkungen, unter denen ihre Glaubensgenossen in allen anderen Ländern der Welt leiden, wohl bekannt, und so fühlen sie sich eben im türkischen Reiche verhältnismässig wohl, und ihre Lage erscheint den Juden vieler anderer Länder als beneidenswert. Dies galt noch für das alte Regime. Das neue überraschte die Juden gerade so wie viele andere Bevölkerungsgruppen des Reiches, doch fanden sie sich bald in die neuen Verhältnisse und sie unterschieden sich bei der Aufnahme der Nachrichten in keiner Weise von den anderen Völkerschaften. Die Zahl der Juden im Ottomanischen Reiche wächst durch eine starke natürliche Vermehrung und durch eine von Jahr zu Jahr steigende Einwanderung. Im türkischen Reiche, dessen Gesamteinwohnerzahl auf 25 Millionen geschätzt wird, beträgt die Zahl der Juden etwa eine halbe Million. Von diesen kommen auf Konstantinopel zirka 65.000 (etwa ein Fünfzehntel der hauptstädtischen Bevölkerung), auf Salonik, das im ganzen nur ungefähr 150.000 Einwohner zählt, eine kompakte Masse von 80.000 (der Rest der Bevölkerung besteht aus Moslems und Christen verschiedener Nationalitäten), auf Bagdad 40.000, auf Smyrna 35.000, auf Adrianopel 17.000 jüdische Einwohner. Am dichtesten sitzen die Juden aber in Palästina. Jerusalem mit seinen 53.000 Juden (zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, der Rest ist stark zersplittert) ist von grösseren Städten wieder wie einstmals die jüdischeste Stadt der Welt. (In den anderen Städten mit absolut viel höheren Judenziffern ist der Prozentsatz eben viel kleiner. Hauptbeispiel: New-York, wo die zirka 800.000 Juden doch nur etwa ein Fünftel der gesamten städtischen Bevölkerung ausmachen.) Von den Städten Palästinas zählen : l*

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