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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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wurde, wobei wir allerdings zwischen Napoleon und Lueger noch einige Unterschiede machen. Und wenn alle Kräfte angespannt werden, wenn alle Wähler, vor allem die jüdischen, zu denen wir in diesem Organ zu sprechen berufen sind, voll und ganz ihre Pflicht tun, dann liegt ein solcher Sieg nicht ausser dem Bereiche der Möglichkeit. Es ist ja selbstverständlich, dass eine Niederringung Dr. Luegers nicht gleich im ersten Wahlgang erfolgen könnte, sondern dass hiezu eine engere Wahl erforderlich wäre. Jede der kämpfenden Parteien muss mit aller Macht bemüht sein, ihre Kandidaten in die engere Wahl zu bringen, aber es wäre eine ganz ausserordentliche Probe der Kraft und Freiheitsliebe unserer Bürgerschaft und vor allem der jüdischen Wählerschaft der Leopoldstadt, wenn es gelänge, Herrn Dr. Lueger und seinen Sancho Pausa Oppenberger durch die bürgerlichen Kandidaten Baron Hock und Dr. S c h w a r z - H i 11 e r zu werfen. Unbegreiflicherweise wird in intimen Kreisen die Möglichkeit erörtert, dass selbst Juden bei dieser Wahl ihre Stimmen dem Dr. Lueger geben könnten. Wir können an diese Ungeheuerlichkeit nicht glauben. Es ist unfassbar, dass Juden so ehrvergessen sein könnten, dem Begründer des Wiener Antisemitismus, dem Bedrücker der jüdischen Lehrer, der jüdischen Hausierer, der jüdischen Gewerbetreibenden noch die Hand zu küssen, mit der er sie gezüchtigt hat. Wenn die jüdische Finanzaristokratie einen Frieden mit den Machthabern im Wiener Rathause vielleicht für vorteilhaft erachtet, die mittleren und unteren Klassen der Judenschaft können in einen solchen Frieden mit einem Manne nie willigen, dessen 20jährige Tätigkeit auf die Vernichtung ihrer materiellen Existenz gerichtet war und noch immer ist. Wir empfehlen mit allem Nachdruck den jüdischen Wählern der Leopoldstadt: im ersten Wahlgang ihre Stimmen für Baron Hock und Dr. Schwarz-Hiller abzugeben und in einem etwaigen zweiten Wahlgang Schulter an Schulter mit den Sozialdemokraten zu kämpfen. Sie mögen alle kleinlichen Bedenken beiseite und sich durch gehässige Nörgeleien nicht beirren lassen. Jener Freisinn, den Baron Hock repräsentiert, hat nichts gemein mit der Schwächlichkeit und Wankelmütigkeit der Altliberalen, deren Deutschtum den Liberalismus erschlagen hat und die um eines nationalen Linsengerichtes willen die bedenklichsten Kompromisse mit den Antisemiten geschlossen haben. Ein solcher Verrat an den freiheitlichen Grundsätzen, vor allem an dem Prinzipe der konfessionellen Gleichberechtigung ist bei Baron Hock und Dr. Schwarz - Hiller ausgeschlossen. Auf ihre 'freue, ihre Ehrlichkeit und ihre Gerechtigkeitsliebe kann man unbedingt vertrauen. Jüdische Wähler der Leopoldstadt! Erfüllet am 26. Oktober Euere Pflicht gegen Euch selbst, Euere Familie und gegenüber lern Judentum!

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