Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 10 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monatschrift der Oesterreichisch - Israelitischen Union. Nr. 10. Wien, Oktober (908. Die Landtagswahl in der Leopoldstadt. Am 26. Oktober finden auf Grund der neuen Landes- und Landtagswahlordnung die Wahlen in den niederösterreichischen Landtag statt. Durch eine raffinierte Wahlgeometrie, welcher das Ministerium Beck bezeichnenderweise die Genehmigung erteilt hat? ist die Stadt Wien einer Mehrheit von bäuerlichen Abgeordneten ausgeliefert. Durch ebenso raffinierte Wahlkünste, welche von der Statthalterei nicht gehindert werden, ist es aber auch ausgeschlossen, dass in Wien selbst der Wille der Wählerschaft rein zum Ausdruck gelange, und wenn in einzelnen äusseren Bezirken immerhin die Sozialdemokratie den Sieg erringen wird, so kann der bürgerliche Freisinn nur unter überaus günstigen Umständen an dem einen oder anderen Punkt auf einen Erfolg rechnen. Die Hauptschlacht wird auch diesmal wieder auf dem kampfdurchwühlten Boden der Leopoldstadt geschlagen, wo der christlichsoziale Häuptling, wo Dr. L u e g e r in eigener Person seine Kandidatur aufgestellt hat. Ihm und seinem Knappen Oppenberger haben die vereinigten bürgerlich-freisinnigen Parteien den Reichsratsabgeordneten Baron Hock und den in früheren Wahlkämpfen als tüchtigen Streiter bewährten Doktor Schwarz - Hiller gegenübergestellt, während die Sozialdemokraten für den bekannten Führer der Handlungsgehilfen Pick und den Metallarbeiter Wolf ins Feld ziehen. Es ist mit Recht gesagt worden, dass diesmal der bürgerliche Freisinn nicht gegen, sondern neben der Sozialdemokratie kämpft. Der Kampfpreis, um den es sich diesmal handelt, ist wahrlich des Sch weisses der Besten wert. Denn wenn es gelingt, dem Wiener Bürgermeister, dem Schöpfer und Führer der christlichsozialen Partei, das Leopoldstädter Mandat zu entreissen, so würde damit nicht bloss der christlichsoziale Besitzstand um einen Abgeordnetensitz verringert, sondern es wäre dem bisher ununterbrochenen Siegeslaufe dieser Partei an einem ihrer wichtigsten strategischen Punkte Halt geboten. Eine Niederlage Luegers in der Leopoldstadt hätte dieselbe Bedeutung, wie etwa jene Schlacht bei Aspern, in welcher dem Franzosenkaiser die Palme der Unüberwindlichkeit aus der Hand geschlagen l