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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-08-01 · 8/9 (August/September 1908) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
8/9 (August/September 1908)
Date
1908-08-01
Page
Seite 23 (sequence 28)
Language
German
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23 bleiben, sondern ihre Schritte nach dem Westen zu lenken. Es werde demnächst eine Expedition ausgesandt werden, um „ein gewisses Land" zu erforschen. Die nötigen Fonds zur Arbeit seien vorhanden. Herr Fels, der 6000 Mark beigesteuert, habe eine Reise von 5000 Meilen gemacht, um den Präsidenten eines amerikanischen Staates aufzusuchen. Den Anhängern des Herrn Zangwill stehen die englischen Zionisten des „englischen Zionisten- Vereiues" schroff gegenüber. Dieser Verein hielt am Montag seine halbjährliche Versammlung ab und äusserte sich dabei höchst abfällig über die geheime Expedition des Herrn Zangwill. Die jüdische Frage könne nur endgültig dadurch gelöst werden, dass den Juden eine Heimstätte in Palästina geschaffen werde. Alles, was von diesem Gedanken aolenke, schädige die Sache des Zionismus und sei sehr zu bedauern. Sofia. (Ein Geheimbund zur Vertreibung der Juden aus Bulgarien. Es ist gelungen, hier einen Geheimbund zu entdecken, dessen Zweck es ist, Propaganda dafür zu machen, dass die Juden aus Bulgarien vertrieben, ihr Vermögen konfisziert und unter die Mitglieder des Bundes aufgeteilt werde. Es wird veisichert, dass dem Bunde, dessen Mitglieder sich aus der Hefe der Gesellschaft rekrutieren, gelungen ist, unter den breiten Schichten der unwissenden Bevölkerung Wurzel zu fassen. Das Zentrum der Organisation ist in der Stadt Rustschuk und von da aus durchziehen die Agenten des Bundes ganz Bulgarien, um für ihre Zwecke und Ideen Propaganda zu raachen. Wie es heisst, soll der Bund mit einer in Rumänien bestehenden ähnlichen Organisation in Verbindung stehen, um es zu verhindern, dass die aus dem einen Lande ausgewiesenen Juden in dem anderen Lande aufgenommen werden. Ueber die Art und Weise, in welcher die Polizei auf die Spur des Geheimbundes kam, wird folgendes gemeldet: „Einige der' Mitglieder des Bundes versuchten es, einen der Minister, von dem sie glaubten, dass er antisemitische Ideen habe, auf ihre Seite zu ziehen. Der Minister verständigte seinen Kollegen von Ministerium des Innern, der die Polizei mit der Einleitung der Nachforschungen betraute, und so gelang es, die Spur der gesamten Organisation zu finden. Die bulgarische Polizei hat sich bis jetzt nicht veranlasst gesehen, irgendwelche Haussuchungen oder Verhaftungen vorzunehmen.'* Vom Büchertiscb. Wiener hebPälSChe Epitaphien von Bernhard Wach stein. (Sitzungsbericht der Wiener kais. Akademie der Wissenschaft in Wien.) Mit dieser Arbeit stellt sich der Verfasser die Aufgabe, Epitaphien nicht bloss zu entziffern, sondern auch zum Zwecke der Beleuchtung kulturhistorischer Zustände wie zur Aufhellung noch dunkler Vorkommnisse im Leben einiger für ihre Zeit bedeutender Menschen heranzuziehen und planmässig zu benützen. An sich selbst bietet eine gute Wiedergabe des Textes von Grabsteinen, die beinahe 400 Jahre alt sind und recht verwittert aussehen, so manche erhebliche Schwierigkeit. Auf so manchem Grabsteine sind einzelne Buchstaben und auch ganze Worte völlig verwischt und so recht unleserlich. Dabei kommt noch der Umstand hinzu, dass die älteren Epitaphienschreiber es liebten, das Lob, das sie den Verstorbenen auf den Grabsteinen spendeten, wie schon der beschränkte Raum eines Steines mit sich bringt, epigrammatisch auszudrücken. Sie wählten zu diesem Zwecke einzelne Ausdrücke aus den in Talmud und Midrasch verstreut sich befindlichen Trauerreden anlässlich des Todes hervorragender Persönlichkeiten, um so in Kürze und andeutungsweise die Verdienste und das Lebensschicksal der von ihnen beklagten Toten anzugeben. Wachstein verstand es in seiner weiten Kenntnis und Belesenheit in der biblisch-talmudischen Literatur, den genannten Schwierigkeiten zu begegnen, indem er durch den Hinweis auf die diesbezüglichen Stellen in Bibel und Talmud, denen die einzelnen Ausdrücke auf den Epitaphien entnommen sind, die Möglichkeit erhielt, sowohl die fehlenden Buchstaben und Worte treffend zu ergänzen wie

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