Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 8/9 (August/September 1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- Seite 22 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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22 zu bestellen. Die deutschradikalen Antisemiten jubelten. Nun erhielt ein hiesiger jüdischer Geschäftsmann von einem antisemitischen Fabrikanten aus Asch ein Offert über eine Ware. Die Antwort darauf lautete dahin, dass die Ascher ihre Ware dorthin liefern sollen, wo sie die Röhren zu ihrer Wasserleitung bestellt haben. Wenn alle jüdischen Geschäftsleute die antisemitischen Gegner bekämpfen würden, kämen diese bald zur Einsicht, dass ihnen der deutschradikale Antisemitismus ein bischen zu teuer zu stehen kommt. KOStel. (Einschränkung eines Kaiserhuldigungsprogramms.) Die hiesige politisch selbständige Judengemeinde veranstaltete für den Kaiserjubiläumstag eine solenne Feier mit einem Festzug. Die tschechische Stadtgemeinde machte ein ihr nicht zustehendes Aufsicktsrecht geltend und erteilte der Judengemeinde den Auftrag, ihr Festprogramm vorzulegen. Als diesem Auftrage überflüssigerweise entsprochen wurde, verfügte die Stadtgemeinde, dass die Tasrreveille nur in einem Teile der Judengasse abgehalten werden dürfe; die Musikbegleitung des Festzuges wurde verboten und das beabsichtigte Volksfest im Walde eingeschränkt. Für dieses Waldfest hatte das Liechtensteinsehe Forstamt bereits einen Platz zur Verfügung gestellt. Die Judengemeinde Hess sich diese Einschränkung' der Kaiserfeier nicht ruhig gefallen und rekurierte an die Bezirkshauptmannschaft. Bezirkshauptmann Fries hob die Verfügung der Stadtgemeinde auf und das Festprogramm gelangte ungeschmälert zur Ausführung. Budapest. (K o n f i s k a t i o n einer antisemitischen Flugschrift.) Aus Szegedin wird über einen geradezu unglaublichen Akt von Antisemitismus seitens der Christlich-Sozialen berichtet. Die christlichsoziale Partei in Szegedin, deren Präsident der Szegediner Pfarrer ist, hat eine Hetzschrift herausgegeben und Plakate affichiert, in welchen die Katholiken zur Verfolgung und V e r n i c h t u n g der Juden aufgefordert werden. Der Oberstadthauptmann von Szegedin bat die K o n fi s z i e r u n g der Flugschrift und Plakate angeordnet und diese Drucksorten der Staatsanwaltschatt übermittelt, damit gegen die Verfasser und Verbreiter wegen Aufreizung gegen die Konfession das Strafverfahren eingeleitet werde. Berlin. (Einführ u ng in den Talmud.) Prof. D. Hermann L. Stracks verdienstvolles Werk über den Talmud ist soeben in einer Neubearbeitung (vierte Auflage, Leipzig, J. C. Hinrichs) erschienen. Wir möchten daraus nur hervorbeben, was der Verfasser gegenüber der fortgesetzten tendenziösen Stimmungsmache der Antisemiten gegen die Jüdischen Geheimbücher" des Talmud sagt: „Der Talmud (ich wiederhole, was ich seit vielen Jahren mehrfach feierlich erklärt habe) enthält keine Nachricht oderAeusserung, welche, selbstverständlich wenn sie wirklich darin steht, der sprach- und sachkundige christliche Gelehrte zu finden nicht vermöchte. Was speziell die Zensurlücken betrifft, so sind in Deutschland schwerlich zehn Rabbiner, welche alle vier, S. 81 genannten, in meiner Bibliothek befindlichen Schriften besitzen. Ueberhaupt gibt es innerhalb des gesamten Judentums weder eine Schritt, noch eine mündliche Tradition, welche kundigen Christen unzugänglich wäre. Die Juden sind nicht bemüht, vor den Christen etwas zu verbergen, und sie können auch nicht etwas vor ihnen verbergen. Der Talmud, der Schulchan-Aruch und andere jüdische Schriftwerke sind Geheimbücher nur für diejenigen — Juden nicht minder als Christen — welche weder die zum Lesen der Grundtexte erforderlichen Kenntnisse sich erworben haben, noch von den vorhandenen Uebersetzungen usw. wissen. Für solche ist auch Casars Bellum Gallicum ein Geneimbuch." London. (Eine jüdische Kolonie in Amerika.) Herr Z a n gw i 11, der Leiter der jüdischen „Territorial-Or^anisation" machte jüngst in einer jüdischen Versammlung von 4000 Personen bekannt, dass ein grosser Plan für eine jüdische Kolonie erwogen werde. Er könne den Juden nur raten, nach Amerika zu gehen und dort nicht in New-York kleben zu