Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 8/9 (August/September 1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17 rasch herausgestellt. Wenn der Mann aber in der bisherigen Richtung weiter arbeitet, kann es ein nächstes Mal geschehen, dass durch einen unglücklichen Zufall die Aufhellung der Wahrheit längere Zeit in Anspruch nimmt und dass mittlerweile in Neu- Sandec eine jener schrecklichen Judenverfolgungen ausbricht, wie wir sie dort schon erlebt haben. Unser Rechtsschutzbureau hat ^inen Delegierten nach Neu-Sandec entsendet, der die Einzelheiten der beiden, vom Wachtmeister Preindl „entdeckten" Verbrechen und dessen Vorgehen gegen die ungerecht beschuldigten Juden genau feststellte, und wir haben nicht gesäumt, die kompetenten Behörden auf den gefährlichen Uebereifer des phantasievollen Wachtmeisters aufmerksam zu machen. Die geheimnissvolle Kiste, die man vor Kurzem in Boskowitz und in Witlingau entdeckt haben wollte, geht jetzt auch in Schlesien um. In den letzten Tagen wurde in T r o p p a u, Oest.-Schlesien, das Gerücht verbreitet, es sei mit der Bahn aus Ostrau oder Deutschland eine Kiste für die Firma S. D. Klauber angekommen, bei deren Uebernahme die Speditionsarbeiter ein verdächtiges Geräusch vernahmen. Sie brachten darum die Kiste zu ihrem Chef Dusch ek, der die Polizei verständigen Hess. In Anwesenheit mehrerer Polizeiorgane unter Führung eines Oberkommissärs sei dann die Kiste geöffnet und darin ein geknebeltes, ach tzehnjährigesMädchen bewusstlos vorgefunden worden, dem mit Watta der Mund verstopft gewesen sei. Eine Version sagt nun, das Mädchen sei hierauf in das Spital gebracht worden, von wo es schon wieder gesund entlassen wurde, während andere erzählen, das Mädchen sei bereits in sterbendem Zustande gewesen und alsbald gestorben. Nach ihrem Tode sei daim konstatiert worden, dass dem Mädchen Blut abgezapft worden, weil die Leiche ganz blutleer gewesen sei. Seitens des Troppauer Polizeia mtes wird hierzu gemeldet, dass an diesem unsinnigen Gerüchte, welches den Stempel der Erfindung an der Stirn trägt, nicht ein wahres Wort ist und dass die Firma D. S. K1 a u b e r in den letzten Tagen weder eine. Kiste zugesandt erhielt, noch eine solche Sendung in Aussicht hat. Das Ritualmordmärchen. Aus Budapest, 14. d. M., wird gemeldet: Aus der Gemeinde Abaser, Komitat Heves, wird folgendes Ritualmärchen gemeldet: Bei dem dortigen Insassen Siegmund Bandl diente eine christliche Magd, namens Elisabeth Bernat. Vor einigen Tagen verschwand das Mädchen spurlos, und dessen Eltern forderten 2