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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-08-01 · 8/9 (August/September 1908) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
8/9 (August/September 1908)
Date
1908-08-01
Page
Seite 7 (sequence 12)
Language
German
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7 Das Ghetto von Venedig. Unter dem Titel „Italienische Reiseskizzen" veröffentlicht Israel Cohen in „ Jewish World" eine Artikelserie über seine Reiseerlebnisse in Italien. Der erste Artikel ist dem „Ghetto von Venedig" gewidmet. „Nicht die Neugierde des konventionellen Touristen", so beginnt Mr. Cohen seine Schilderung, „führte mich nach Venedig, noch war es die einfache, alltägliche seelische Erregung, mit der ich mich über den stillen Kanal hingleiten liess oder meinen Weg durch die düsteren, geschäftigen Gässchen genommen. Mag* man noch so seelenblind sein, inmitten der aus Erhabenheit und Melancholie zusammengesetzten Schönheit dieser Inselstadt werden sich einem die Augen öffnen müssen. Das herrliche Blau seines Himmelszeltes, das selbst mitten im Herbste frei von jeder wandernden Wolke ist, sein Canale Grande, der an den hohen, schlanken Palästen dahinschlängelt und auf seinem Rücken in endloser Reihenfolge die Gondeln, Schwänen gleich, dahingleiten lässt; die zahllosen mit winzigen kleinen Brücklein überspannten kleinen Kanäle, die so manche malerische Perspektive eröffnen, und die sounendurchglühte Piazza di San Marco, die des Nachts den Menschenschwarm aus einem ganzen Netze von sich windenden Gässchen an sich zieht, all dies macht auf jeden zufälligen Besucher dieser herrlichen Stadt einen mächtigen Eindruck. Wie gewaltig ist aber erst die Vision für einen, in dem die Romantik der Geschichte vergangener Jahrhunderte lebendig ist und der erfüllt ist von dem Gedanken an die Machtfülle, die von dieser Stätte einst über die ganze Welt ausgegangen ist. Aber nicht solche Gedanken beschäftigten mich, als ich mich der Stadt näherte. Weder die Aussicht auf den Genuss der Naturschönheiten, noch das Bewusstsein, die öden Hallen des Dogenpalastes durchschreiten zu können, hatten mich so sehr bewegt, sondern ausschliesslich die Sehnsucht, diesen einzigartigen Platz, der in der grossen Leidensgeschichte unserer Glaubensgenossenschaft eine so hervorragende Rolle gespielt hat, mit eigenen Augen zu sehen und in meinem Geiste festzuhalten. Denn Venedig war der erste Ort, von dem der Gedanke ausging, dass die Juden in ein eigenes, abgeschlossenes, bewegtes Viertel gesteckt werden müssten. Hier entstand das erste Ghetto — das Produkt der Verfolgung und ungewollt auch die Ursache der Erhaltung des Judentums. Und ehe die letzten Spuren des einst pulsierenden jüdischen Lebens von dem Strome der Zeit hinweggeschwemmt werden, wollte ich noch einmal hinpilgern und das Andenken derjenigen wieder beleben, die einst in dem Verteidigungskampfe Israels gegen die ihn bedrückenden Völker einen so hervorragenden Anteil hatten. Denn hier, in der seeumgürteten Stadt, fanden die Flüchtlinge vor der spanischen Inquisition friedliche Aufnahme. Hier

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