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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-08-01 · 8/9 (August/September 1908) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
8/9 (August/September 1908)
Date
1908-08-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 Die „Kreuz-Ztg.", entsetzt über diese Verquickung von Christus und Wodan, schrieb damals (Febr. 1898): „Zwischen Wodan und Christus gibt es keine Versöhnung, sondern nur Unterwerfung. Und Sieger in diesem weltgeschichtlichen Kampfe ist Christus geblieben, der Heerfürst, in dessen Namen sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind." Darauf antwortete das „teutsch - antisemitische" Blatt „Heimdall" : „Wir legen im Namen unseres uns von Gott verliehenen Deutschtums^ das wir nicht schmähen lassen, Verwahrung dagegen ein, dass sich germanische Art und germanischer Hochgeist vor anderen als nur vor Gott zu unterwerfen habe. Wir, die wir uns bestreben, unseren hohen Vorvorderen wieder ähnlich zu werden, beugen, wie diese, vor niemandem das Knie. Wir haben als Krieger nicht vor unseren Heldenkaiser das Knie gebeugt, sondern haben strack vor ihm gestanden und frei in sein Adlerauge geschaut, wir würden auch beim gottbegnadeten Arier Jesus ohne Kniebeuge seinem Seherblicke begegnen. Wir sind Deutsche und vom Holze des Herrenvolkes geschnitzt. Heil unserem freien Walde! Heil unserem deutschen Gotte!" All diese Bestrebungen, Christus zum Germanen usw., d. h. zum Arier zu stempeln, fertigte Eugen D ü h r i n g höhnisch in seinem „Ersatz der Religion" mit den Worten ab: „Jene pure Verlegenheitshypotheose von der nicht rassenjüdischen Natur von Christus ist nämlich, genauer untersucht, pure Willkür und wäre nie aufgestellt worden, wenn man nicht das heutige Christentum moderner Völker vor der Missliebigkeit hätte bewahren wollen, auch persönlich einen rein rassenjüdisehen Ursprung und überdies zum Gegenstand seines Kultus oder wenigstens der moralischen Achtung einen Stammesjuden zu haben." Natürlich lassen es sich die andern arischen Völker nicht gefallen, dass Christus zu einem Germanen gestempelt wird. Auch ihr Rassenstolz regt sich. Das in Agram erscheinende kroatische Tageblatt „Hrvatska" (1894) hat aus Christus einen Serben gemacht, ein englischer Methodist dagegen aus ihm einen Engländer. Dieser hielt nämlich an die Malgaschen in Tamatawe folgende Anrede (s. Globus 1865 Bd. 7, S. 267 f.): „Meine Freunde! Die Franzosen sagen, die Religion, welcbe sie euch verkündigen, sei gut. Glaubt das nicht. Als Jesus Christus, unser Aller Herr, die Erde durch seine Gegenwart heiligte, betrat er England und verkündete uns seine Lehre; haltet aber wohl in Obacht, dass er niemals einen Fuss auf französischen Boden setzte. Daraus allein schon könnt ihr annehmen, wer die wahre Religion hat." Man sieht, die Rassenschnüffelei blüht allenthalben, wenn sie sich auch bisher — wenigstens in der anerkannten Wissenschaft — noch nicht so keck an die Person Christi herangewagt hat, wie jetzt auf dem Internationalen Historiker-Kongress.

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