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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 19 (sequence 22)
Language
German
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19 berg in seiner Gedichtsammlung: „Aus jüdischer Seele"31) behandelt die Gestalt Berurias iu einem gleichnamigen Poem in dem gedachten, für dieselbe gravierenden Sinne. Allein Perles in seiner Abhandlung: „Rabbinische Agadahs in 1001 Nacht"32) verweist auf Grund quellenmässiger Forschung alle diese Dinge in das Reich der Phantasie. Und mit Recht. Wäre doch sonst dieses Verhalten einer Heldenfrau wie Berurias ein Missklang in dem harmonischen Leben ihrer Familie. Wenn man auf Beruria blickt, findet man die Erklärung für Meirs Charakter. Sie war wirklich sein zweites Ich. Auch sie war, wie ihr Name besagt, eine Erleuchtete, wenn man will eine Emanzipierte; aber emanzipiert nicht von Pflichten, sondern für Pflichten der Häuslichkeit. „Wo sie sich zeigte, herrschte sie, hat geherrscht, bloss weil sie sich gezeigt."33) Sie bereitete ihren Gatten das Eden, in welchem dessen starker sittlicher Charakter wurzelte. Und was sie ihrem Gatten ist gewesen, Des Lebens Licht, die Heilung seiner Schmerzen, Ein Kleinod, das so köstlich und erlesen, Dass sein Besitz schon Trost dem wunden Herzen, Das sei ein jedes Weib in seinem Heim, Denn in den Frau'n ruht unserer Zukunft Keim. . . .3I) Sein Bestes schöpft ein Charakter aus der Humanität. Die Quelle der Humanität aber sie entströmt dem Familienleben. „In den Familiengeschichten seiner heiligen Urkunden besitzt das Judentum den Niederschlag, die Projektion seines bedeutsamen Charakterzuges, der im Laufe der Zeit immer mehr zu bewusster, sittlicher Potenz, zur moralischen und religiösen Signatur des Volkes Israel sich entwickelte. Die israelitische Familie ist der Mutterboden der israelitischen Religion". . . 35) Z u n z sagt einmal: Das Judentum war es, welches das Familienleben plastisch darzustellen verstand.'06) . Aber das Familienleben stellt an die Selbstlosigkeit des Menschen hohe Ansprüche, in ihm ruhen die Wurzeln der Liebe und Duldung gegen andere, in deren Bereich für Verketzerung Andersdenkender und Andersgläubiger wahrlich kein Raum vorhanden ist. Ein Mensch, dessen Streben und Wirken in einem geliebten Wesen Ergänzung und Ziel findet, dessen Auge auch das Wohlergehen der Seinen einen Freudenschimmer entlockt; ein ">J. Löwenberg: »Aus jüdischer Seele« Hamburg (M. Glogau) S. 49. 32) »Monatscbrift für Gesch. und Wissenschaft des Judentums.« 1873. S. 80. 3ä) Schiller, Macht des Weibes. 34) G r u n w a 1 d, Beruria S. VII. 3*) Güdemann, das Judentum in seinen Grundlagen. . . Wien, 1902. S. it f. 36) Bei David Kaufmann, Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main. 1908. S. 70. 9*

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