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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 17 (sequence 20)
Language
German
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17 und fiel dennoch ab von mir." Und doch schwand nicht die Hingebung Meirs für Elischa, die selbst den Tod des Lehrers überdauert. Er hört, Elischa liege in den letzten Zügen; er eilt zu ihm, und als dieser ihn fragt, ob dem Eeumütigen der Weg zur Gnade offenstehe, da zitiert ihm Meir den Psalmvers: „Du führst den Sterblichen bis zur Zerknirschung und sprichst dann, kehret zurück ihr Menschenkinder". Da weint Elischa und entschläft. Meir aber jubelt, dass sein geliebter Lehrer in Reue die Welt verliess27). Ob diese Erzählung auf historischer Tatsache beruht, wer kann es wissen? Aber die Tatsache, dass sie aufbewahrt und gepflegt wurde, wirft auf das Volk, das dieselbe empfunden, wie auf den Helden dieser Erzählung ein schönes Licht. Denn nach allem, was wir bisher von Meir erfahren, hätte er nur so und nicht anders an seinem unglücklichen Lehrer Acher gehandelt. Nicht verdammens-, nein, bedauernswert war dieser im Sinne eines Meir. Nein, nicht der Geist der Verketzerungs- und Verfolgungssucht des Judentums war es, wie man behauptet, der einen Acher verstiess. Sich selbst seiner geistigen Kräfte zu berauben, dazu war das Judentum stets politisch viel zu klug. Wenn auch manche Albernheiten bei denen, die nicht alle werden, Glauben finden, aber die Torheit, sich selbst seines geistigen Kapitals zu berauben, wird kein Vernünftiger ihm zumuten. Was wäre aus dem Judentum geworden, wenn es nebst der Verfolgung von aussen, auch noch eigenhändig die nach innen entfesselt hätte? Nein, Acher ist ein anderer geworden, nicht weil seine Genossen, sondern weil er selbst sich zu einem anderen gemacht; weil er in der feigen Fahnenflucht, in dem Niederknieen vor dem Götzen des Erfolges, was er den Seinen zugemutet hatte, das Heil erblickte. Das folternde Gewissen, das jeden Renegaten peinigt, Hess ihn nicht zur Ruhe kommen, machte ihn zum Selbstankläger. „Verräterische Bücher", so lautet eine Version, „die er an seinem Herzen trug, fielen zur Erde." Hätte er nicht den Irrtum selbst an seinem Herzen genährt, er hätte sich an dem Lichte der Wahrheit wärmen können, an deren Glut ein Meir zu dem so herrlichen Charakter herangediehen war. * * * Die Wurzeln der Charaktertreue Meir's ruhen, wie wir gesehen, in der tiefen Kenntnis seiner Religionslehre. Aber indem wir der Bildung seines Charakters nachforschen, wie könnte da jener Edlen vergessen werden, die an derselben so hervorragenden Anteil hatte, seiner treuen Gattin B e r u r i a, deren Andenken fortlebt! So wie Meir den Typus eines gelehrten, ") Chagiga 15 a, Jerusalmi Chagiga III, 77 b, Kohelet Rabba zu Vers 7, 8: >Das Ende eines Dinges ist besser als sein Anfang«. 2

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