Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 14 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9756662-9603886-9604092--1957-9604108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 beleuchten darum den Zunamen Geist Meirs. Und dies ist so lehrreich für die fernere Würdigung seines Wesens. Meir hat wohl kein selbständiges Werk verfasst, wenn man nämlich von einem Werke absieht, das den Namen: „Das Buch des Meir14) getragen und leider als verschollen betrachtet werden muss. Aber er hat mehr als dies geleistet. Die genannten und ähnliche Beschlüsse, die bis dahin wähl- und ordnungslos überliefert wurden, hat er der Vergessenheit entrissen und sie unter dem Namen Mischna, das heisst Wiederholung oder Lehrsammlung, der Nachwelt aufbewahrt. Und so wie etwa der von tiefer Weisheit überströmende Sifre debe Rav 15), den Namen seines Sammlers Rav, oder die kulturhistorisch interessante Tosefta den ihres Ordners R. Chija16) trägt, so ziert die Mischna den Namen ihres zweiten Redakteurs M e i r. Dieser ordnete und vervollständigte die erste Mischnasammlung Akibas. Und die systematische Anordnung, die noch heute unserer Mischna zugrunde liegt, geht ursprünglich auf unseren Weisen zurück. Die Anlegung der Mischna bildet die reife Frucht seiner Lehr- und Wanderjahre, gleichsam das kostbare Perlen gut, welches er aus dem Meere -der jüdischen Wissenschaft gehoben, die Grundlage seines späteren Gelehrtenlebens, dem wir uns nunmehr zuwenden. * * * Das Licht der Wissenschaft, welches der Sinn des Jünglings nicht empfangen hatte, der Geist des Mannes strahlte es .wieder, um immer erstarkend am Himmel der jüdischen Lehre zu leuchten. Nicht weniger als 452 Aussprüche Meirs werden in der Tosefta namhaft gemacht, abgesehen von den zahllosen anonymen Mischnas, die nach einer Ansicht ebenfalls ihm angehören und welche in dieser Form ein Zeugnis der Bescheidenheit ihres Autors bilden. 17) Einige deselben sollen uns die sittliche Strenge ihres Gesetzgebers bekunden, der Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit geübt wissen will und zugleich liebevolles Mitempfinden für die Bedrängten und Verlassenen anstrebt. Wer einer Gesetzesverletzung verdächtig ist, lehrt er, erscheint es auch allen Gesetzen gegenüber. 18) Wer einer Frau eine geringere Morgengabe aussetzt, als das Gesetz es verlangt, dessen Ehe ist als eine wilde zu betrachten, weil die Lösung einer solchen Ehe ohne schwere Gewissensbedenken vollzogen werden könnte.19) 14) Jerusalmi Taanith I. 64 a; vgl. Genesis Rabba 9 und 20. 15) Fried mann : Sifre debe. Rav, Wien, 1864, Einleitung S. 2. ,6) Back : Geschichte des jüdischen Volkes, Frankfurt 1906, S. 204 f. 17) Vgl. Z u n z : Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, II. Auflage, S, 45. 18) Bechoroth 35 a. ,9) Kethuboth 56 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.