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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 12 (sequence 15)
Language
German
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19 Man könnte dieser Beobachtung Güdemanns noch weiters hinzufügen: Wen nauch Elischa sich selbstzu einem „Anderen" gemacht, die Rabbiner hielten ihn nach wie vor für den alten, gelehrten Freund. Sie wussten die Person von der Sache auseinanderzuhalten. Die Erbitterung seiner Zeitgenossen richtete sich nicht gegen den Abtrünnigen, sondern gegen die Quelle seines Abfalles, die gnostischen Schriften, die sogenannten „S'forim chizonim".7) Der Talmud, dieser als ein Ausbund aller Unduldsamkeit geltende Talmud, er weist dem Acher auf seinem Gebiete einen Platz an. Lautet doch einer seiner wissenschaftlichen Grundsätze : „Nimm die Wahrheit an von Jedermann, der sie darbietet." So heisst es im jerusalemischen Talmud Chagiga: „Man rettet Elischa wegen seiner T h o r a. DU Halacha, das heisst also die religiöse Praxis, kennt eine Entscheidung von ihm 8) und im ethischen Traktat Aboth de Rabbi Nathan trägt ein ganze» Kapitel, das 24., seinen Namen. Seine Tochter wird von Jehuda dem Fürsten verpflegt9) und sein Enkel R. Jakob ist nachmals als Gesetzeslebrer berühmt, 10) dessen Achtung von der Väter Schuld nicht beeinträchtigt werden konnte. Man sieht also, der Talmud führt die Liebe nicht nur im Munde, sondern betätigt sie auch, er lässt dem Körper nicht entgelten, was der Geist, was die Irrgänge der Seele verschuldet haben mögen, und bringt in Wahrheit zu Ehren das Gebet: „Kinder sollen nicht sterben um der Väter willen". ") Nicht nur was dem „Geiste der Verketzerung und Verfolgung" gegenüber der freien Forschung auf dem Gebiete des Talmud kein Raum gewährt; im Gegenteile: Die profane Wissenschaft besass im Bereiche desselben und im Kreise seiner Pfleger und Förderer freies, uneingeschränktes Bürgerrecht. * * * Zu den äusseren Lebensschicksalen unseres Weisen zurückkehrend, muss betont werden, dass es für ihn jedenfalls eine glückliche Fügung war, noch rechtzeitig auch Männer wie Ismael und Akiba zu Lehrern gehabt zu haben; Männer, die gewissermassen die lichte Folie seiner Lehr- und Wanderjahre bildeten. Denn schon drohte am Himmel der jüdischen Geschichte ein finsteres Unwetter, welches das Judentum dieser Geister auf tragische Weise berauben sollte. Um das Jahr 130 n. d. g. Z, schickte Hadrian als Statthalter nach Judäa den Titus dunius Rufus, der über den Trmpelplatz den Pflug führte und dessen Grausamkeit die genannten 7) Sanhedrin 100 a.; vergl. Jeruschalmi Sabbath, XVI, 16 c. 6) Moed Katan 20 a. 9) Chagigah 16 b. ,0) Gittin 14 a. ") Deuteronomium 24, 16.

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