Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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8 aus dem jüdischen Leben vorführen wollte, so hätte man einen Typus jener Juden vorführen können, die beispielsweise im Jahre 1648 bei der Belagerung Prags durch die Schweden die Prager Brücke heldenmütig verteidigten. Sie sind dafür von Kaiser Ferdinand III. durch Verleihung einer Fahne ausgezeichnet worden. Warum hat man diese Fahne nicht im Festzuge gezeigt?!" Unter fortgesetzten Schimpfereien und Zwischenrufen der Antisemiten erwähnte Eedner noch den Berl Josselowich, jenen galizischen Juden, der in den polnischen Befreiungs-Kämpfen sich als ein Held auszeichnete und dem zu Ehren die Städte Krakau und Lemberg je eine Strasse nach ihm benannten. Dann rechnete Redner mit dem immer wieder aufgetischten .Ritualmord-Märchen ab und appellierte neuerlich an alle ehrlichen Elemente des Parlaments, dem Hilsner-Skandal ein Ende zu machen, dieses schwere Justiz-Verbrechen durch ein Wiederaufnahme-Verfahren endlich zu sühnen. Ein besonderes Kapitel der glänzenden Rede bildete die Entrechtung der Juden im öffentlichen Dienst, die konsequente Uebergehung jüdischer Beamter bei den Avancements. Dr. Straucher schloss mit der Erklärung, dass der jüdische Klub das Budget ablehne, weil er dieser antisemitisch gefärbten Regierung kein Vertrauen entgegenzubringen vermöge. Die wenigen freiheitlichen Abgeordneten lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den treffenden Ausführungen Dr. Straucher's, welche schliesslich auch die Antisemiten fesselten, die den Redner anfangs durch Zwischenrufe zu schrecken versuchten. Möir, der Welse von Uscha. Ein Beitrag zur Frage Acher. Von Dr. Simon Mandl (Neutitschein). Zu dem Gegenstande, den ich in dieser Abhandlung besprechen möchte, wurde ich durch eine Zeitfrage angeregt. Die vorliegende Arbeit behandelt die gegenwärtig aktuelle Diskussion über Glauben und Wissen. Gelegentlich einer Erörterung dieser Frage in einem weitverbreiteten Journale vor mehreren Monaten l) wurde unter anderem auch das Judentum als von dem Geiste der Verketzerungs- und Verfolgungssucht erfüllt dargestellt. Und zwar wurde auf die Gestalt Elischa ben Abuha's, auch Acher genannt, hingewiesen, der angeblich ein Opfer dieses verfolgungssüchtigen Geistes des Judentums gebildet habe. In der fraglichen Erörterung wurde uns zwar die zweifelhafte Ehre zu teil, dieses sogenannten Ketzerrichteramtes gemeinsam mit auch anderen Richtungen geziehen zu werden. ') »Neue Freie Presse«, Anfang August 1907; vergl. »Arbeiter-Zeitung«. Nr. 214, 1907.