Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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teuflischen Plan, uns Juden durch Entziehung der Bildung zu vernichten, da hat man an den grossen Weltplan vergessen, der auf der Entwicklung nach vorwärts, nie nach rückwärts aufgebaut ist. Vielleicht wäre es klüger, taktisch richtiger, werden ängstliche Gemüter sagen, zu schweigen, zu warten und zu hoffen, dass aut dieser Tribüne vor den Augen Europas sich keine Majorität für diese Resolution finden werde. Aber die Vernunft lehrt schweigen, das Herz lehrt reden. Nie und nimmer werden wir still bleiben, da man versucht, uns, eine Klasse von Bürgern dieses Staates, zu Bettlern zu machen, zu Bettlern um die Brosamen am Tische der europäischen Kultur. Jahrtausende hat man uns vom Landbesitz ausgeschlossen und wirft uns nun vor, wir hätten keine Bauern; heute will man vor uns die Bildungsstätten schliessen, um in Zukunft über uns herzufallen, wir hätten keine gebildeten Stände. Für das vollgestrichene Mass bürgerlicher Pflichten, das man uns reicht, verlangen wir das entsprechende Mass Gegenrechte, keine Judenrechte, sondern Bürgerrechte. Abg. Dr. S t r a u c h e r befasste sich einleitend mit den Parteien des Parlaments und ihrer Stellungnahme zur Judenfrage. Mit Recht konstatierte Redner, dass es innerhalb der österreichischen Volksvertretung auch nicht eine Partei gebe, die dem Juden Schutz angedeihen lässt: „Wir Juden stehen zumeist schütz- und wehrlos den Verfolgungen gegenüber, die oft geradezu mittelalterliche, immer hässliche Formen annehmen. . . . Wo es sich um den Schutz der Juden handelt, da verstummen alle Zungen; die offenen und geheimen Antisemiten haben ihr Geschäft gut besorgt, ihre Taktik wohl eingerichtet." Aut den Antrag Schmid betreffs prozentualer Beschränkung der jüdischen Mittelschüler eingehend, bewies Straucher unter anhaltendem Beifall, dass die Tendenz dieses Antrages den Staatsgrundgesetzen widerspreche. Dass es in Oesterreich niemals und nirgends ohne Judenhetze abgeht, haben einige Episoden des Huldigungs-Festzuges anlässlich des sechzigjährigen Regierungs- Jubiläums unseres Kaisers abermals gezeigt. Seine Veranstalter glaubten, es der „aufgeklärten" Bevölkerung förmlich schuldig zu sein, in dem Zuge, der eine Huldigung für den greisen Monarchen bedeuten sollte, auch das „Hepp-Hepp" nicht fehlen zu lassen. Die Gruppe, welche die Belagerung Wiens durch die Türken darstellte, schloss ein mit Kaftan und Zylinder angetaner Jude, der Kapriolen schlug. Die „begeisterte" Menge wieherte und johlte über die Karrikatur, Dr. Straucher kennzeichnete diese Verhöhnung der Judenschaft, und als ein Antisemit ihm zurief: „Das ist historisch!", antwortete er schlagfertig: „Das ist nicht historisch. Zur Zeit der Türken-Belagerung gab es keine Juden mit Kaftan und Zylinder. Wenn man Szenen