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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 3 (sequence 6)
Language
German
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8- Mittelschulen den Begehrlichkeiten der Klerikalen ausliefern wollen. Kann man denn wirklich glauben, dass aus Mittelschulen, die nach den Wünschen der Christlich-Sozialen eingerichtet sind, Studenten hervorgehen werden, welche die Freiheit der Forschung und Lehre hochhalten? Und ein so lumpiger „Freisinn" soll das Deutschtum in Oesterreich retten? In diesem Kampfe um die Universitäten hat auch die jüdisch-nationale Studentenschaft, unabhängig von den deutschnationalen Maulhelden, tapfer ihre Pflicht getan. Wenn von der freiheitlichen Studentenschaft ehrenvoll die Rede war, so sind darunter zum gut< n Teile die jüdischen Studenten verstanden worden. Für einen Moment war das hässliche Hepp-Hepp-Geschrei an unseren Hochschulen verstummt, weil selbst die borniertesten deutschnationalen Kappenträger begriffen hatten, welch wertvolle Bundesgenossen die Juden in diesem Freiheitskampfe bildeten. Die fides germanica der Herren Hofmann von Wellenhof, Waldner, Sommer e tutti quanti betätigt sich nun darin, dass sie die Juden vom Mittelschulstudium und damit auch vom Hochschulstudium ausschliessen wollen. Das wird ihnen nun allerdings nicht so bald gelingen. Gelungen aber ist ihnen heute schon, dass sie die Juden in Deutschböhmen und in Mähren, welche jahrzehntelang die treuesten und verlässlichsten Stützen des Deutschtums waren, von sich weggestossen und damit ihre eigene Kraft im nationalen Kampfe gegen die Tschechen geschwächt haben. Für die Deutschen in Oesterreich waren die Juden so wichtig und unentbehrlich, wie sie es den Magyaren in Ungarn sind. Ein getreuer Eckart der Deutschen in Mähren, das „Mährische Tagblatt" in Olmütz", konstatiert dies mit folgenden eindringlichen Worten: „Herr Prof, Dr. Sommer muss mit der Tatsache rechnen, dass die Juden in Mähren zum deutschen Volke zählen. Er selbst wird gewiss, wenn er das Verhältnis der Bevölkerungszahl in Mähren nach Nationalitäten feststellen wird, die jüdischen Einwohner aus der Volksziffer der Deutschen nicht ausscheiden, und er wird es auch nicht leugnen können, dass die Juden Mährens zu den opferwilligsten Anhängern des Deutschtums zählen, ohne welche das deutsche Volkstum in manchen Städten mit gemischter Bevölkerung kaum erhalten werden könnte, ohne welche selbst bei uns in Olmütz es den vordringenden Tschechen weit leichter würde, sich bald siegreich festzusetzen. Wir brauchen da nicht erst auf die bevorstehenden Handelskammerwahlen hinzuweisen. Wir möchten an den Herrn Professor die bescheidene Anfrage richten, ob er etwa glaubt, dass hier das deutsche Kasino, das deutsche Theater u. s. w. sich erhalten könnten, wenn es heute den Juden einfiele, aus dem Verhalten einzelner freisinniger deutscher Abgeordneter gegenüber den Juden die Konsequenzen zuziehen? Freisinnige Abgeordnete, so nennen sich ja die Herren Oberleithner

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