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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1908) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 bekannten, während die Slaven dokumentierten, dass sie an den staatsbürgerlichen Rechten der Juden nicht rütteln wollen. Das wird fürderhin bestimmend sein für die Haltung der Juden einerseits, für die Macht und Kraft der Deutschen in diesem Staate andererseits. Zwei Tage vorher hat der deutschböhmische Abgeordnete Dr. Herold dem Parlamente eine interessante Rechnung produziert. Er hat über die Zurücksetzung der Deutschen bei den Beamtenernennungen in Böhmen gesprochen und hiebei den Nachweis geführt, dass die Zahl der deutschen Beamten dem perzentuellen Verhältnisse zwischen Deutschen und Tschechen nicht entspreche. Er rechnete dem Hause vor, dass im Sprengel des Kreisgerichtes Leitmeritz 381.000 Deutsche und nur 48.000 Tschechen wohnen, unter den Beamten aber nahezu die Hälfte tschechisch sei, dass im Kreisgerichtssprengel Budweis 148.000 Deutschen 150.000 Tschechen gegenüberstehen, unter den 50 Richtern aber nur 6 Deutsche seien, dass auf die 141.000 Deutschen des Gerichtsbezirkes Pilsen, d. i. 32 Perzent der Bevölkerung, nur ein deutscher Gerichtsbeamter komme. Herr Dr. Herold hat durchaus keinen Anstand genommen, bei dieser Rechnung die 1000 Juden von Aussig und die 3000 Juden von Töplitz den Deutschen zuzuzählen. Ebenso hat er die deutsche Bevölkerung des Kreisgerichtssprengels von Pilsen und Budweis durch Hinzurechnung der etwa 3500 Juden in Pilsen und der 2000 Juden in Budweis vermehrt. Dort, wo es sich um die wirklichen oder vermeintlichen Rechte der Deutschen handelt, scheut sich auch der verbissenste deutschnationale Antisemit nicht, die Juden mit Nachsicht der Taxen zu Deutschen zu ernennen. Sie sollen bei den Wahlen und im nationalen Kampfe willige Heerfolge leisten und zum Danke dafür votieren dann die mit Hilfe der jüdischen Stimmen gewählten Ehren- und Musterdeutschen für die Konfiskation-der staatsbürgerlichen Rechte der Juden. Man lese nur unter den Korrespondenzen der heutigen Nummer nach, welchen Schimpf sich die Herren L ö s s 1 und Sommer von unseren Karlsbader und Leipniker Brüdern ins Gesicht schleudern lassen müssen. Aber den Deutschen in Oesterreich, und namentlich jenen in Böhmen und Mähren geht es dabei hart an den Kragen. Vor der Abstimmung über die Resolution Schmid mussten sie sich gegen die klerikalen Angrifie auf die Universitäten zur Wehre setzen und nach dieser Abstimmung jammerten sie über die Einschmuggelung der internen tschechischen Amtssprache auf administrativem Wege. Dieselben Leute, die in dem Ansturm der klerikalen Bauern auf die Grazer Universität den Versuch erkannten, das Deutschtum in seiner Wurzel zu treffen, die mit pathetischen Worten gegen die Knechtung der freien Wissenschaft und gegen die Beeinträchtigung des Rechtes auf Bildung donnerten, haben mit einer Gewissenlosigkeit sondergleichen die

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