Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Hr. 6-7. Wien, Juni-Juli 1908. 20. Jahrgang Los von unseren Feinden! Der Sturm ist abgeschlagen. Mit 205 gegen 162 Stimmen hat des Abgeordnetenhaus den Resolutionsantrag des Abgeordneten Schmid, durch welchen der Zutritt der Juden zu den Mittelschulen pprzentuell beschränkt werden sollte, abgelehnt. Man muss den Christlich-Sozialen Dank wissen, dass sie durch den Antrag auf namentliche Abstimmung einen genauen Einblick in die Gesinnungen der einzelnen Parteigruppen ermöglichten. Und eine sorgsame Prüfung des Stimmenverhältnisses führt zu einer keineswegs rosigen Auffassung des „Sieges", den da die Grundsätze der Rechtsgleichheit und Gerechtigkeit scheinbar errungen haben. Betrachtet man zunächst nur die nackten Ziffern, so fällt die ausserordentlich hohe Zahl derer auf, die durch Abstinenz sich der Pflicht der Stimmenabgabe entzogen haben. Es sind dies 143 Abgeordnete. Sie haben nicht den nötigen Freisinn aufgebracht, um gegen die Resolution zu stimmen, sie haben aber auch nicht den Mut gefunden, für dieselbe zu votieren, weil sie doch durch mannigfache Rücksichten auf die Sicherheit ihres Mandates oder gegenüber der Regierung hiezu gezwungen waren. Man darf aber wohl behaupten, dass die grosse Mehrheit dieser Leisetreter im innersten Herzen mit dem Resolutionsantrage Schmid einverstanden war und dass sie ohne die vorerwähnten Rücksichten ihren antisemitischen Neigungen freien Lauf gelassen hätten. Die rein rechnungsmässige Bilanz der Abstimmung ergibt somit formell eine Niederlage, effektiv aber einen nicht zu unterschätzenden Erfolg der christlichsozialen Partei. Sehr lehrreich gestaltet sich die politische Bilanz d( r Abstimmung. Nur eine handvoll Deutschfortschrittlicher stimmte mit den Sozialdemokraten, den Polen und Tschechen gegen die Resolution. Sie sind an den zehn Fingern abzuzählen. Was sonst noch in diesem Hause „deutsch" heisst, der ganze grosse Block der Deutschnationalen, der Deutschagrarier und der Alldeutschen, unterstützte die Resolution Schmid entweder direkt, indem er dafür stimmte, oder indirekt, indem er sich der Abstimmung enthielt. Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, kann man sagen, dass die Deutschen sich bei diesem Anlasse als Feinde der Juden l