Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 32 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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32 die feststellte, dass an dem obenerwähnten Gerücht kein wahres Wort sei. Um etwaige Ruhestörungen zu vermeiden, wurde die Gendarmerie verstärkt. — Wiener und Prager Blätter übernehmen die voranstehende Meldung, unter Verwechslung des Ortes Wittingen mit der südböhmiscben Stadt Wittingau, in deren Nähe sich bekanntlich gleichfalls ein Bahnhof Gmünd befindet. Die Nachricht von dem „Ritualmorde in Wittingau" trat so bestimmt auf, dass unser Rechtsschutzbureau einen Delegierten dahin entsendete. Selbstverständlich hatte man weder in Wittingau noch in Gmünd Kenntnis von Vorfällen, die sich einige Hundert Kilometer nördlich in der preussischen Provinz Hannover abgespielt hatten. Das Regime Driel Anknüpfend an die Ausführungen der Abgeordneten Doktor Straucher und S c h u m e i e r über die Lage der Militärärzte unter dem Regime des Generalstabsarztes Herrn v. U r i e 1 schreiben die „Medizinischen Blätter": „Tatsache ist es — und wir erachten es eines ärztlichen Blattes, dem das Wohl aller Aerzte am Herzen liegt, für unwürdig, Vogel Strauss-Politik zu treiben — dass v. Uriel trotz seines alttestamentarischen Namens jüdischen Aerzten konsequent die Aufnahme in das aktive militärärztliche Korps verweigert; um zu zeigen, zu welchen Hilfsmitteln Uriel greifen muss, um die Lücken wenigstens einigermassen zu füllen, will der Schreiber dieser Zeilen auf eine Beobachtung aus seiner eigenen Freiwilligenzeit hinweisen. Während mehreren jüdischen Kollegen, obwohl sie sowohl bei der Truppe, als auch im Spitale befriedigend gedient hatten, die Aufnahme verweigert wurde, weil ihr Gesamteindruck nicht befriedigend sei, wurde ein nichtjüdischer Kollege, der wegen körperlicher Nichteignung überhaupt nicht assentiert worden war und der nie gedient hatte, frischweg von der Promotion in den Rock eines Oberarztes gesteckt. Der scheinbare Widerspruch, dass es trotzdem jüdische aktive Militärärzte gibt, klärt sich einfach dahin auf, dass diese aus der vorurielschen and vorurteilslosen Zeit stammen. Sapienti sat. — Neuesten Nachrichten zufolge hat v. Uriel sich zu einem entscheidenden Schritt entschlossen. Man höre und staune! Die Oberärzte, Regimentsärzte usw. werden von nun an den Titel Oberleutnantsarzt (wie reizend!), Hauptmannsarzt usw. führen. Wenn das nicht unzählige Kollegen anstachelt, in die Armee zu treten, so wird Herr v. Uriel wahrscheinlich es mit der Verleihung der Feldbinde versuchen."