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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. Seite 31

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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31 welche Folgen hätte wohl das Verschwinden für die Juden der Stadt und vielleicht gar der Juden Ungarns nach sich gezogen? * * * Aus W i 1 n a wird der „St. Petersburger Zeitung44 geschrieben: „Die furchtbare Legende von den Kitualmorden scheint nicht aus der Welt geschafft werden zu können. Sie taucht bekanntlich mit Vorliebe vor Ostern auf, so auch in diesem Jahre. Wie der „Wil. West." meldet, fand man am 29. März in einem Gehöft in der Nähe des Fleckens B a i w i d s y, das dem Bauern Stanislaw Kynkewitsch gehört, dessen kleinen zweijährigen Sohn ermordet. Die Eltern waren vom Hause abwesend gewesen und hatten den Knaben unter der Aufsicht seiner achtjährigen Schwester zurückgelassen. Dieses kleine Mädchen war in furchtbarer Erregung zu den Nachbarn gelaufen und hatte diesen mitgeteilt, irgend ein Mann in einem langen Mantel habe das Haus betreten und sich der Wiege, in der der Knabe Jag, genähert und dabei ein grosses Messer geschwungen. Die herbeieilenden Nachbarn fanden das Kind mit dmchschnittener Kehle in der Wiege liegend. Das geheimnisvolle Verbrechen erregte den ganzen Bezirk; bald hiess es, dass die Juden zu rituellen Zwecken das Kind ermordet hätten, wenngleich auch Stimmen laut wurden, die die Ansicht aussprachen? es sei nicht ausgeschlossen, dass das kleine Mädchen den Knaben ermordet habe. Ein aufgeregter Volkshaufe begab sich nach Baiwidsy, uud es gelang dem Landhauptmann nur mit Mühe, die Leute von Gewalttätigkeiten gegen die Juden abzuhalten. Um die Bauern zu beruhigen, traf nach einigen Tagen der Gouverneur in Baiwidsy ein und er bemühte sich, die aufgeregte Volksmenge von der Unsinnigkeit der umlaufenden Gerüchte zu überzeugen, Der Gouverneur begab sich in Begleitung der Prokuratur an den Tatort, wo eine genaue Besichtigung vorgenommen wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung sind noch nicht bekannt geworden; jedenfalls wäre es wünschenswert, dass der Verbrecher ermittelt und auf diese Weise die Legende von den fabelhaften Ritualmorden zerstört werden würde. Auffällig erscheint es, dass die katholische Geistlichkeit trotz ihres ungeheueren Einflusses die Leute nicht von der Unsinnigkeit des Gerüchtes zu überzeugen vermochte." * * * In Wittingen (Hannover) wurde am 22. April d. J. die Bevölkerung durch die Mitteilung in grosse Aufregung versetzt, dass auf dem Bahnhofe in Gmünd an die Adresse eines dortigen Juden eine Kiste mit der Leiche eines zwanzigjährigen Mädchens eingetroffen sei. An dieses unsinnige Gerücht knüpfte sich eine Reihe weiterer unkontrollierbarer Mitteilungen. Da antisemitische Demonstrationen befürchtet wurden, begab sich eine Gerichtskommission an Ort und Stelle,

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