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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 20 (sequence 23)
Language
German
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20 dass, dem innersten Wesen des Juden entsprechend, den Kultusgemeinden in Vertretung der Gesamtheit ein grosser Kreis kultureller Aufgaben zufällt. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob diese Pflicht von den Kultusgemeinden bereits erfasst worden wäre, indem sie Bibel-, event. Talmud-Schulen errichten und jüdische Schulvereine unterstützen. Und zweifellos ist es ja eine wichtige Aufgabe der Kultusgemeinden, jenen, die das Verlangen danach haben, die Möglichkeit zu schaffen, das nachzuholen, was der öffentliche Religionsunterricht nicht bietet und nicht bieten kann. Wenn ich aber aus dem bereits erwähnten Presbyterialbericht sehe, welch grosse Opfer die durchaus nicht reiche evangelische Gemeinde ihrem Schulwesen darbringt, wie sie evangelische Schulen errichtet, nicht etwa zu dem Zwecke, sich konfessionell abzuschliessen, sondern einzig und allein deshalb, um die evangelischen Kinder dem Einflüsse der tatsächlich katholisch konfessionellen öffentlichen Schule zu entziehen, um wie viel mehr würde dies uns obliegen, für die diese öffentlichen Schulen nicht allein antikonfessionell, sondern auch antisemitisch sind. Das Letztere bedarf keines langen Beweises; was das konfessionelle Moment anlangt, so genügt es, daran zu erinnern, dass das jüdische Kind fast keinen jüdischen Feiertag, inklusive des Samstag, zu halten in der Lage ist. Wie soll der Religionsunterricht, über dessen Reform wir lange Debatten führen, über dessen Notwendigkeit wir aber ja schliesslich fast alle einig sind, irgend welches Ansehen beim Schüler geniessen, wenn dessen Lehren jede Woche von Staatswegen verhöhnt weiden? Ich bin gewiss nicht klerikal und möchte nicht missverstanden werden, aber wenn Sie ausserdem bedenken, dass die Lehrbücher der Unterrichtssprache und besonders auch die der Geschichte rein katholisch konfessionelle Zwecke verfolgen — ich werde mir später erlauben, dies durch Beispiele nachzuweisen — wie das Kind vom Judentume, seiner Geschichte und Entwicklung fast gar nichts erfährt, so werden Sie es natürlich finden, dass ich jüdische Schulen, nicht etwa Schulen nur für Juden, sondern von Juden geleitete Schulen, als ein Glück für den Bestand und die sichere Zukunft des Judentums empfinde und deren Errichtung als eine der wichtigsten zukünftigen Aufgaben der Kultusgemeinden betrachten muss. Ich werde mir nun erlauben, Ihnen aus den Lehrbüchern, wie sie in unseren Schulen benützt werden, einiges vorzutragen, und ich glaube sicher, dass ich mir einen weiteren Kommentar dazu füglich ersparen kann. (Es folgt die Verlesung von Lesestücken und aus Geschichte für Volks- und Bürgerschule.) Gleichwie die Ausbildung des Kindes im jüdischen Sinne? obliegt der Gemeinde die Weiterbildung des Erwachsenen. Einen glücklichen Griff in dieser Beziehung scheint die hiesige Kultusgemeinde — ich weiss nicht, ob es auch anderswo geschieht — mit der Inaugurierung von Vorträgen aus der jüdischen Geschichte

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