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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 18 (sequence 21)
Language
German
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18 ausbilden. Und wenn man sieht, wie unsere Waisenhäuser geleitet werden, wenn man, wie ich persönlich, die Gelegenheit hat, sich zu überzeugen, wie zum Beispiel das jüdische Springer'sche Waisenhaus den armen verwaisten Kindern die Elternliebe ersetzt, soweit dies überhaupt nur menschenmöglich ist, dann meine Herren, begreift man die Sehnsucht der Gemeinden nach jüdischen Waisenhäusern. Und wenn man an die entsetzlichen Folgen der Verwilderung der Jugend, auf die ich oben hingewiesen habe, denkt, wenn man sich überlegt, dass auch in jüdischen Häusern wo die Eltern leben, traurige soziale Verhältnisse beide Teile zwingen, dem Erwerb nachzugehen und die Kinder sich selbst zu überlassen, sie dem verrohenden Einfluss der Strasse preiszugeben, dann erst erkennt man die ganze Bedeutung unserer Kinderhorte. Es ist eben wie alles, was die B'nai Brith-Vereine ins Leben rufen, kein Werk direkter Wohltätigkeit, sondern der sozialen Vorsorge, nicht nur für das Heil der armen Kinder, sondern auch für das Heil des gesamten Judentums. Wir haben damit ja gewiss eine Verpflichtung eingelöst, die eigentlich den Kultusgemeinden zukommt, und wenn unsere doch verhältnismässig geringen Mittel nicht mehr reichen sollten, so obliegt diesen in Zukunft doppelt und dreifach die Pflicht, das Werk, welches wir begonnen, auszubauen. Die Verpflichtung der Kultusgemeinden zur Armenpflege wird allgemein anerkannt, und ich muss darüber nicht viel Worte verlieren. Ein grosser Teil dieser Verpflichtung wird den Kultusgemeinden durch private Woltätigkeit abgenommen, sehr mit Unrecht, denn eine zentrale Organisation könnte den Wert des Geleisteten ungeheuer steigern. Aber dies ist ein Thema, das gerade in unserer Vereinigung so eingehend und interessant diskutiert wurde, dass ich nur darauf zurückverweisen kann. Uebrigens wird diese Diskussion in Kürze als Broschüre erscheinen. Eine Aufgabe der Kultusgemeinden, die besonders in letzter Zeit in den Vordergrund des Interesses getreten ist, besteht in der Auswanderungsfrage. Für die östlichen Gemeinden liegt die Schwierigkeit darin, dass die einströmenden ausländischen Juden ihre Hilfe für die Weiterbeförderung in Anspruch nehmen und dass andererseits auch eine grosse Anzahl ihrer eigenen Gemeindemitglieder ihre Hilfe bei der Emigration benötigt. Die westlichen Gemeinden wiederum haben das höchste Interesse, das einströmende jüdische Proletariat, so weit es nur möglich ist, in judenarme Länder abzuleiten, sowohl um die eigenen Gemeindemitglieder dadurch nach jeder Richtung zu entlasten, wie auch in erster Linie, um den Emigranten durch dieses Vorgehen die Möglichkeit einer Existenz zu schaffen. Diese im Interesse der gesamten Judenschaft gelegenen Massnahmen überschreiten natürlich weitaus die Kräfte einer jeden noch so grossen Einzelgemeinde und können nur und müssen sogar durch gemeinsames Vorgehen der Lösung näher

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