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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 7 (sequence 10)
Language
German
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7 sondern immer nur das Interesse an der Aufhellung der Schuldfrage und nur an dieser leiten. Deshalb hat die „Union" gegenüber der von anderer Seite ausgegangenen, gewiss achtenswerten menschlichen Motiven entsprungenen Bemühung, die Begnadigung Hilsners zu erwirken, öffentlich erklären müssen, dass sie, unbeirrt von dem überreichten Gnadengesuche, ihre auf Wahrheit und Rechtsfindung gerichteten Bestrebungen auch weiterhin nachdrücklichst verfolgen wird. Die Begnadigung ohne Entscheidung über die Tat- und Schuldfrage, ohne Entkiäftung der schweren Anklage, die im Zusammenhange mit dem Hilsnerprozesse gegen das Judentum erhoben wurde, müsste als geradezu unheilvoll für dieses bezeichnet werden. Es gereicht uns zu grosser Befriedigung, dass auch jene Gruppe von Reichsratsabgeordneten, welche sich auf Anregung des „Jüdischen Klubs" zur Betreibung der Wiederaufnahme auf parlamentarischem Wege gebildet hat und welche mit uns im engsten Einvernehmen steht, die hier entwickelten Anschauungen in vollem Masse teilt und darnach ihr Vorgehen einzurichten gedenkt. Durch die energische, strafgerichtliche Verfolgung, welche über unser Betreiben das Justizministerium vor Jahren schon gegen die Entführer jüdischer Mädchen in galizische Nonnenklöster angeordnet hat, hatten sich eine Zeitlang diese dem Wesen und Begriff eines Rechtsstaates geradezu hohnsprechenden Gewaltakte vermindert. Im letzten Jahre sind jedoch wieder zahlreiche Fälle von Mädchenraub vorgekommen und die . Behörden haben dabei ein so laxes Verhalten gezeigt, dass wir bei der obersten Justizverwaltung neuerdings energisch auf den Schutz des Elternrechtes und auf die Bestrafung der Schuldigen drängen mussten. Infolge dieses Einschreitens sind denn auch einige der entführten Mädchen dem Kloster entrissen und ihren Eltern zurückgegeben worden. Wir erwähnen hier die Fälle der Gela Fass, der Brucha K a c z k a, der Lea Gänger, der Rosa R u s i n e k und der Scheindel Wasser. Es zeigt sich momentan eine strengere Pflichterfüllung der Behörden. Sollte dieselbe nicht anhalten, dann werden wir durch eine solenne parlamentarische Aktion und durch entsprechende Publikationen auch in ausländischen Blättern, für welche wir eben das Material zusammenstellen, die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf diese barbarischen Zustände lenken. Erheblichere Vorstösse gegen das Erwerbsleben der Juden sind — von dem Antrage Schmid abgesehen, der auch seine ernste wirtschaftliche Seite hat, weil ohne das Zeugnis einer Mittelschule auch der Antritt eines Handelsgewerbes nach dem jetzigen Stande unserer Gewerbegesetzgebung unmöglich wäre — im abgelaufenen Jahre nicht erfolgt. Ab und zu ist wohl eine journalistische Aufreizung zur Boykottierung jüdischer Geschäftsleute vorgekommen und erst heute wurde vom Kultusvorstande Znaim unsere Intervention gegen ein Flugblatt der dortigen Deutsch-

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