Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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8 radikalen angerufen, in welchem es heisst: „Die Schmutzkonkurrenz der Juden hindert jede gesunde Entwicklung von Handel und Gewerbe, die jüdische Konkurrenz ist somit auch die Ursache des geringen Ertrages Eurer Arbeit" — in jedem einzelnen dieser Fälle aber ist unserem Begehren um Beschlagnahme der betreffenden Druckschrift Folge gegeben worden. Allerdings ist diese scheinbare Ruhe vielleicht auf ein unliebsames Moment zurückzuführen : darauf nämlich, dass die Juden sich mit der Tatsache ihrer Zurückdrängung auf bestimmte Erwerbsgebiete zum grossen Teile bereits abgefunden haben. Eine aufsehenerregende Kriminalaffäre, welche uns volle zwei Jahre beschäftigte, wird in den nächsten Tagen zum Abschlüsse gelangen. Es ist dies der Prozess gegen den mehr als 80-jährigen jüdischen Schankpächter Jakob Stern, welcher, der Ermordung eines 52-jährigen Bauers beschuldigt, zuerst vom Schwurgerichte Rzeszow zum Tode veruiteilt, nach Kassierung des Todesurteiles in neuerlicher Verhandlung freigesprochen, ein drittes Mal auf Grund der vom Staatsanwälte betriebenen Wiederaufnahme nur noch wegen Totschlages zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Die Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde gegen dieses letzte Urteil findet am 9. Mai vor dem Kassationshofe statt und wird von unserem Vorstandsmitgliede Herrn Dr. Hönigsmann vertreten werden. Hoffentlich findet damit der Leidensweg des unglücklichen Greises seinen Abschluss. Von sonstigen wichtigen Rechtsschutzfällen erwähnen wir noch die Angelegenheit des jüdischen Gastwirtes Mayer Weiss in Leoben, dem die Gewerbebehörde verbieten wollte, Speisen und Getränke an nichtjüdische Gäste zu verabreichen; dieses absolut gesetzwidrige Verbot wurde über unsere Intervention im Rekurswege vom Handelsministerium aufgehoben. Ferner unser wiederholtes Einschreiten beim k. u. k. Reichskriegsministerium gegen die Misshandlung jüdischer Soldaten, die über Beschwerde der Wiener Kultusgemeinde erfolgte Aufhebung des vom Wiener Gemeinderate erlassenen Schächtverbotes, wobei die von uns vor Jahren schon für die Kultusgemeinde Rumburg erfolgreich durchgeführte Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshofe als wertvolles Präjudiz diente. In Ihrer aller Erinnerung ist endlich noch der höchst peinliche Zwischenfall, der sich am Ostersonntag in Anwesenheit des Papstes in der Sixtinischen Kapelle zu Rom ereignet hat. Wir waren zur Wahrung der politischen und bürgerlichen Interessen der österreichischen Juden genötigt, diesen Vorfall öffentlich auf das Tiefste zu bedauern und entschieden zu verurteilen. Im abgelaufenen Vereinsjahre sind unserem Vereine 787 Mitglieder neu beigetreten. Diesem Zuwachs steht ein Ausfall von 592 Mitgliedern gegenüber, die wir infolge Ablebens, Austrittes etc. streichen mussten. Bei der vorjährigen Generalversammlung verzeichneten wir einen Mitgliederstand von 7541, während wir am