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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 treue Gefolgschaft, namentlich in den heissen Kämpfen um die Erhaltung des Deutschtums in Mähren, abstatteten. Die unmittelbare Folge dieses Verrates war der politische Zusammenschluss der mährischen Judenschaft zur Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Kechte. Bei dem am 30. Juni abgehaltenen Delegiertentage der mährischen Kultusgemeinden wurde ausdrücklich erklärt, dass durch diesen Zusammenschluss der mährischen Juden keineswegs der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" Konkurrenz geboten, vielmehr die erspriessliche Tätigkeit dieser Körperschaft für Mähren gefördert und unterstützt werden solle. In seiner Eröffnungsrede sprach der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Hieronymus Fialla, die denkwürdigen Worte: „Mit diesen soi-disant-Vertretern des Liberalismus ist ein weiteres Zusammengehen unsererseits ausgeschlossen." Verstärkt wurden diese Worte durch folgende mannhafte Erklärung, welche der Brünner Abgeordnete Dr. Lecher in einer Wählerversammlung am 27. November 1907 abgab. „Ich für meine Person erkläre, dass es ohne Aufnahme der bisher abseits gehaltenen fortschrittlichen Abgeordneten Wiens für mich keine deutsch-fortschrittliche Partei gibt. Der Antisemitismus ist das Unglück der Deutschen in Oesterreich. Ich halte es für politisch unanständig, bei den Wahlen die Unterstützung der Juden anzunehmen, nach den Wahlen aber den antisemitischen Standpunkt herauszukehren. Ein Freisinn, der zwischen den einzelnen Religionsbekenntnissen Unterschiede macht oder nach der Zufälligkeit der Geburt fragt, ist kein Freisinn." Beide Männer, der Jude und der Christ, haben mit diesen Aussprüchen nur die praktische Konsequenz aus Ereignissen gezogen, die wir schon seit dem Jahre 1894 unaufhaltsam kommen sahen und die wir in unserem vorjährigen Rechenschaftsberichte mit den Worten vorhersagten: „Das neue Haus wird in seiner überwiegenden Mehrheit einen weitaus rückschrittlicheren und auch judenfeindlicheren Charakter zeigen als seine Vorgänger." Die weitere Entwicklung der Dinge hat unsere schlimmsten Befürchtungen gerechtfertigt. Durch die Fusion mit den früheren Deutsch - Klerikalen gewann die christlichsoziale Partei rasch nicht nur die führende Stellung im Hause, sondern auch bestimmenden Einfluss auf die Regierung, in welche sie zwei ihrer leitenden Persönlichkeiten entsendete. Und indem sie klug den nationalen Velleitäten und den agrarischen Interessen der deutschen Parteien schmeichelte, brachte sie dieselben in ein derartiges Abhängigkeitsverhältnis, dass in politischen und kulturellen Fragen kaum noch ein Unterschied zwischen Christlich Sozialen und „Deutsch-Freiheitlichen" besteht. Hatten die Letzteren noch in der Universitätsfrage die Freiheit der Wissenschaft und ihre Lehre verteidigt, so stimmten sie der antisemitischen Forderung, dass den Juden der Zutritt zu den Mittelschulen beschränkt werden solle, vorbehaltlos zu. Nur der deutschliberale Abgeordnete d'Elvert, der durch Krankheit

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