Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union, Nr. 5. Wien, Mai 1908. 20. Jahrgang. Protokoll der am 27. April 1908 im grossen Saale des „Hotel Guth" stattgefundenen XXIII. ordentlichen Generalversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union". Im grossen Saale des „Hotel Guth" fand am 27. d. M. die diesjährige (XXIII.) Generalversammlung der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" statt. Unter den zahlreichen Versammlungsteilnehmern bemerkte man auch viele Mitglieder aus der Provinz, darunter die Delegierten Max Steiner aus Kolin, Ludwig Moser aus Karlsbad, L a p p e 11 aus Falkenau, Singer aus Waidhofen a. d. Th., Dr. P o rg e s aus Karolinenthal, Geist aus Wiener-Neustadt, kaiserlicher Rat P o 11 a k und Doktor Landau aus Bielietz, ferner die Wiener Kultusvorsteher Schramek und Steiner, Gemeinderat Dr. Hein etc. Nach Eröffnung der Versammlung durch Vizepräsidenten Dr. 0 r n s t e i n erstattete Sekretär Fleischer folgenden Rechenschaftsbericht: Geehrte Generalversammlung! Das abgelaufene Vereinsjahr erhält seine Signatur durch die Erneuerung des Parlaments auf Grund der allgemeinen Wahlen. Für unsere Beteiligung an diesen Wahlen hat uns die vorjährige Generalversammlung eine feste Marschroute vorgeschrieben. Wie wichtig der Gedanke war, überall dort, wo die Juden die Mehrheit oder doch einen bedeutenden Bruchteil der Wählerschaft bildeten, nur noch unsere eigenen Interessen zu wahren und nicht mehr die Geschäfte von Parteien zu besorgen, die nur dem Namen nach freisinnig, in ihrem innersten Wesen aber national-chauvinistisch sind, haben die nachfolgenden Ereignisse erwiesen. Noch ehe das neue Haus zusammentrat, hatten die sogenannten Deutsch-Freiheitlichen unter Führung des Iglauer Abgeordneten Dr. Gustav Gross Freisinn und Gleichberechtigung preisgegeben, indem sie den Abgeordneten Kuranda wegen seines Glaubensbekenntnisses, den Abgeordneten Baron Hock wegen seiner antiklerikalen Haltung von der Klubbildung ausschlössen. Das war der Dank, den die Deutschliberalen den jüdischen Wählern für deren jahrzehntelange