Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40 „Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Teplitz- Schönau spricht über Tendenz und Inhalt der Rede, welche der Landtagsabgeordnete Herr Professor Eduard Reichelt in der Hauptversammlung des Vereines deutscher Hausbesitzer in Teplitz- Schönau vom 12. d. M. gehalten hat, seine tielste Entrüstung aus. Der Vorstand erklärt, dass die Juden in Töplitz- Schönau es nicht nötig haben, sich über die Art und Weise der Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte Belehrungen erteilen zu lassen. Insbesondere aber müssen solche Ratschläge energisch zurückgewiesen werden, die von Versuchen der Einschüchterung begleitet sind. Der Vorstand gibt der bestimmten Erw artung Ausdruck, dass sich keinJude der Einschüchterung fügen, sondern dass im Gegenteil jeder den von Herrn Professor Reichelt unternommenen Versuch, die Juden zur Nichtausübung ihrer bürgerlichen Rechte zu bestimmen, zur Veranlassungnehmen wird, diese Rechte umso eifersüchtiger wahrzunehmen. Der Vorstand setzt in die Besonnenheit und Friedensliebe der Teplitzer Bevölkerung sein vollstes Vertrauen und ist überzeugt, dass trotz der Rede des Herrn Professor Reichelt das Einvernehmen zwf-chen allen Schienten der Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses nicht gestört werden wird." Am 21. März fasste der „Verein freisinniger Juden in Tephtz" folgende Resolution: ..Die in der öffentlichen Vereinsversammlung des Vereines freisinniger Juden in Töplitz am 21. März 19(8 im städtischen Kursalon in Tepiitz versammelten Anwesenden erklären, dass sie nach wie vor ihre staatsbürgerlichenRechte nach besterUeberzeugung, unbekümmert um unerbetene Ratschläge Dritter, ausüben werden, dass sie weiters, dem gesunden freiheitlichen Sinne ihrer Mitbürger vertrauend, überzeugt sind, dass die Ehre der Stadt Tepiitz niemals durch wüste, antisemitische Ausschreitungen bedroht war oder bedroht werden kann und weisen die Behauptung des Landtagsabgeordneten Professors Reichelt, als wären die Juden in nationalen und politischen Dingen unzuverlässig, als eine böswillige, durch nichts erwiesene Erfindung mit Entrüstung zurück.44 * * * Die Inn-brucker Juden haben an den dortigen Gemeinderat folgende Eingabe gerichtet: „In Vertretung der hiesigen Israeliten, deren Kinder auf ärztlichen Rat ausser der Schule systematischen Turnunterricht gemessen sollen, wie derjenigen, die selbst das Bedürfnis haben, zu turnen, stellen wir an einen wohllöblichen Gemeinderat das