Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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41 höfliche Ersuchen, uns eines der vielen der Obhut der Gemeinde unterstehenden Turnlokale des rechten Innufers für je eine Stunde des Abends gegen Vergütung der für Beleuchtung, Beheizung und Reinhaltung erlaufenen Spesen zur Benützung zu überlassen. Eine Begründung für die Notwendigkeit und den Wert des Turnens brauchen wir einem wohllöblichen Gemeinderat wohl nicht zu geben, und trotzdem müssen wir eine solche, mit Rücksicht auf eine bereits erfahrene Abweisung, folgen lassen. Nachdem es uns unmöglich gemacht wurde, unter der Aegide oder mit anderen Verbänden zu turnen, oder privaten Unterricht wegen Mangel eines passendenLokales zu erhalten, bleibt uns kein anderer Weg übrig. Wir erbitten ja kein Vorrecht, keine Gnade, was wir verlangen, ist nur Gerechtigkeit, unbefangene Beurteilung der Sachlage, und wir erwarten daher, dass uns der wohllöbliche Gemeinderat das nicht verweigern wird, was er anderen anstandslos bewilligt, da die wohllöbliche Stadtvertretung ja doch nicht eine Partei, eine Konfession, sondern alleSteuer träger ohne Unterschied desGlaubens und der Parteistellung zu vertreten hat. Von dieser Annahme ausgehend, hoffen wir, dass der wohilöbliche Gemeinderat unserem gerechten Verlangen und höflichem Ersuchen entspreche." Der ,. deutschfreiheitliche" Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck hat dieses Gesuch unter dem läppischen Vorwande abgelehnt, dass die städtischen Turnsäle bloss Vereinen und Turnlehrern zur Benützung vermietet werden. Dieses Resultat war von jedem Kenner des Innsbrucker bürgerlichen Freisinnes vorausgesehen worden. Die Herren haben immerhin ihren Judenhass unter einem Feigenblatte zu verbergen gesucht. Deutlicher war der Sekretär der Innsbrucker Handelskammer, der sich um ein „deutschfreisinniges" Mandat bewirbt, Herr Dr. Mader. Er erklärte ganz brutal, dass man den Juden gegenüber die Abweisung eines Gesuches nicht zu begründen brauche. Dieser Herr wird ebenso auch von jüdischen Steuergeldern bezahlt, wie die Stadtgemeinde Innsbruck von jüdischen Steuergeldern mit erhalten wird. Man mag sich denken, wie Herr Dr. Mader die kommerziellen Interessen der jüdischen Angehörigen des Kammersprengeis behandelt. Wir aber meinen, dass die Innsbrucker Juden deshalb auf das Turnen durchaus nicht zu verzichten brauchen. Man wird unter der Juden - schaft. des ganzen Reiches wohl noch die paar tausend Kronen aufbringen, welche die Errichtung eines eigenen Turnp'at'/.^N erfordert.