Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 39 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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39 „Neuwahlen des Vorstandes" in ungemein heftiger Weise gegen die Teplitzer Juden los; insbesondere Prof. Reichelt hielt eine antisemitische Brandrede, wie sie in gleicher Schärfe in Deutschböhmen noch nie gewagt wurde und deren Wirkung auf die überraschten Zuhörer auch dadurch nicht abgeschwächt werden konnte, dass Prof. Reichelt nach der entsprechenden Zurückweisung seiner Ausfälle durch mehrere jüdische Vereinsmitglieder sich mit einer Art Revokation aus der Affäre ziehen wollte. Die Vorgeschichte dieser Brandrede ist kurz folgende: Bisher hatten die Deutschradikalen die Majorität in dem Hausbesitzerverein, in der in Rede stehenden Hauptversammlung befanden sie sich aber ersichtlich in der Minderzahl, weshalb sie befürchten mussten, die Herrschaft im Vorstande zu verlieren. Das war nun für Herrn Dr. Walther ein Beweggrund, in einer emphatischen Rede die unrichtige Behauptung aufzustellen, der Vorstand des Hausbesitzervereines habe sich nie mit Politik, sondern stets nur mit wirtschaftlichen Fragen befasst; es müsse daher die von deutschfortschrittlicher Seite beabsichtigte Sprengung des jetzigen Vorstandes als ungerechtfertigt bezeichnet werden. Aber Dr. Walther sprach doch noch im Tone eines gebildeten Menschen gegenüber dem Gymnasialprofessor Reichelt, welcher u. a. sagte: „Ich habe ebenfalls die oppositionelle Liste vor mir und habe bei verschiedenen Herren, die sich darauf befinden, Nachfrage gehalten, ob sie von dieser Machination etwas wissen. Sie antworteten mir, dass sie nichts davon wissen. Wer ist nun diese Opposition? Es sind Anhänger der jüdischen Konfession. Sie, meine Herren Juden, treiben hier eine sehr schlechte Politik. Ich kann Ihnen sagen, dass, wenn ich bei der Reichsratswähl nicht vor dem „Anker" (dem Agitationslokale der Deutschradikalen) gestanden wäre unjl auf meine Gesinnungsgenossen eingewirkt hätte, ich nicht weiss, was geschehen wäre Und hätte bei der letzten Landtagswahl Dr. Walther hier nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen gehabt, hätten Sie gesehen, zu was es an diesem Abend inTeplitz gekommen wäre. Sie sollten abseits stehen und sich nicht -h ineinmengen, denn die Juden werden immer gehaue n." Der einfachste und natürlichste Weg, um der deutschradikalen Partei in Teplitz-Schönau die unbedingte Hegemonie zu erringen, wäre also nach Reichelts Meinung der, die Juden mundtotzumachen und ihnen jedes politische Recht abzuerkennen. Gegen die Hetzrede Reichelts nahm die Teplitzer Judenschaft energisch Stellung. Am 16. März fasste der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde folgenden Beschluss: