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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 36

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 36 (sequence 37)
Language
German
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36 Ich bitte, sehen Sie sich einmal doch das Auditoriat au. Sagen Sie mir, aus welchem Grunde — bei Geltung der von der Regierung beschworenen Staatsgrundgesetze und der militärischen Vorschriften, bei Geltung aller jener Bestimmungen, welche von gleicher Behandlung aller Militärangehörigen handeln, von Gleichberechtigung, von Treue und Hingebung und von Opferwilligkeit, von treuer Pflichterfüllung gegenüber dem Staate — darf der Jude aus diesem Korps ausgeschlossen sein? Wir verlangen eines, und von dieser Forderung werden wir nie abgehen, und das ist die vollkommene Anerkennung unserer Gleichberechtigung, die Durchführung der Gleichberechtigung und auch d i e Anerkennung unserer Gleichwertigkeit, und von diesem Standpunkte aus müssen Sie mir als rechtliebenden Menschen und müssen alle Parteien diese unsere gerechten Forderungen würdigen. {Abgeordneter Proehazka: Immer nach dem Perzentsatze!) Wenn Sie, geehrter Herr, mir irgend eine Bestimmung des Gesetzes zeigen werden, nach welcher die einzelnen Würden, Aemter und Funktionen im Staate nach dem Perzentsatze der einzelnen Völkerschaften, Nationen oder Konfessionen verteilt und besetzt werden sollen, dann mögen Sie recht haben! Wenn Sie aber von diesem Grundsatze ausgehen, so frage ich Sie nur um eines; Wenn auch die Judenschaft in Oesterreich bloss 4*7 Perzent ausmacht, ist auch ihre Leistung an Steuern, an Gut und Blut nur 47 Perzent. (Rufe: Jud ist Jud!) Sehen Sie, meine Herren, dass ist Ihr überzeugendes Argument. Sie brauchen ja nichts zu beweisen. Argumente sind überflüssig, es wird einfach gesagt: Jud — und das findet beim dummen Kerl Anerkennung. „Jud ist Jud!*' und damit setzen Sie sich über alle Gesetze hinweg! (Abgeordneter Proehazka applaudiert.) Sehen Sie, Herr Proehazka, Sie allein applaudieren — damit bleiben Sie ganz isoliert selbst in Ihren Kreisen! Wo ist übrigens — um nur beim Militär zu bleiben — die perzentuelle Besetzung im Auditoriate, in der Intendanz, im Obersten Militärgerichte etc. mit Juden? In allen diesen Körperschaften ist kein Jude! Jeder Mensch, in dessen Brust das Gefühl für Recht und Gerechtigkeit wohnt, muss sich empören und aufbäumen, wenn man fort und fort von allen Seiten Schimpf und Zurücksetzung, Demütigung und Erniedrigung bei allen Anlässen erfährt, wie dies uns Juden widerfährt! Dagegen müssen wir. meine Herren, energisch protestieren. Wir haben nur die einzige Tribüne hier in diesem Volkshause, wo wir unsere Wünsche und unsere Klagen, unsere Beschwerden und unsere Forderungen vorbringen können, und wir erwarten, dass jene Parteien, deren Programm Recht und Gerechtigkeit ist, uns zu dem gebührenden Rechte verhelfen werden. (Beifall.)__

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