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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 35

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 35 (sequence 36)
Language
German
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35 dass eine derartige Prüfung wirklich modernisiert würde; das ist aber nicht der Fall. Zunächst sind, was den Lehrstoff betrifft, nicht weniger als 55 Bücher militärischen Inhaltes vorgeschrieben, welche von den Zöglingen gelernt werden müssen, und überdies 22 Gegenstände wissenschaftlicher Natur. Es ist absolut undenkbar, dass Menschen eine derartige Stärke des Gedächtnisses besitzen, dass sie im Verlaufe eines Jahres diesen gewaltigen Stoff bewältigen könnten. Modernisiert wurde diese Prüfung in gar keiner Weise, und applikatoriscb, das heisst an einzelnen, christlichen Beispielen wird die Prüfung auch nicht vorgenommen, sondern die Gegenstände — bis auf drei — müssen ganz einfach mechanisch auswendig gelernt werden. Gegenstände, wie zum Beispiel die Militärchirurgie, bei der es notwendig ist, dass man sie am Krankenbette, an den zu operierenden Menschen praktiziert, sollen einfach auswendig gelernt und so oft geprüft werden, nicht selten von Militärärzten, die schon anno dazumal in diesen Fächern die Prüfung gemacht haben, die diesen Stoff selbst nicht vollkommen beherrschen. Die sogenannte Applikationsschule ist unzulänglich und es müsste mindestens ein zweites Jahr eingefügt werden. So könnten wir eine ganze Eeihe von Uebelständen anführen, die gegenwärtig im militärärztlichen Offizierskorps bestehen und die nur deswegen geduldet werden, weil das andere System des Herrn v. Uriel goutiert wird. Er hat nach und nach viele Elemente, und zwar nicht nur jüdische, aus dem militärärztlichen Offizierskorps hinausgedrängt und hinausgedrückt. Herr v. Uriel ist alt, schmiegsam nach oben, gefürchtet und unsanft nach unten. (Abgeordneter Prochazka : Tüchtig!) Das verstehen Sie auch? Sie hören ja von seiner Tüchtigkeit! Wie tüchtig er ist, mögen Sie übrigens aus den Klagen entnehmen, die hier so oft über die schreienden Uebelstände laut geworden sind, welche in den einzelnen Garnisonsspitälern der Monarchie bestehen. Diese Zustände sind in den Debatten des Privilegienparlamentes von allen Seiten als unhaltbare und desolate geschildert worden. Und Sie loben dieses System, weil Herr v. Uriel Fleisch von Ihrem Fleische ist. (Abgeordneter Prochazka : Er ist Antisemit!) Ja, desshalb braucht man nichts zu wissen; es genügt für Sie, wenn Jemand sagt: Ich bin Antisemit, und dann ist alles gut. Ein Staat aber, in welchem nicht Recht und Gerechtigkeit an die Spitze der Verwaltung gestellt und beobachtet wird, wo nicht nach Recht und Gerechtigkeit regiert wird, wo Gesetz und Recht straflos verletzt werden, ein solcher Staat wird immer von Katastrophen heimgesucht werden.

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