Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 33 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9756662-9603886-9604000--1880-9604033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3* hat nur eine Aufgabe, die P u r i f i z i e r u n g des m i 1 i t ä rärztlichen Offizierskorps von den jüdischen Aerzten, unbekümmert darum, dass die Folgen dieses Systems schädliche sind; ein Aerztemangel bedeutet: dem Militär, der Armee und namentlich der Mannschaft die ärztliche Hilfe, den ärztlichen Schutz gar nicht oder nicht rechtzeitig und jedenfalls nicht ganz bieten zu können. In den Garnisonsspitälern allein werden doch alljährlich fast 90.000 Mann behandelt! Und wir haben doch einen Armeestand von 290.000 Mann! Von 1901 bis 1906 ist kein Jude aktiver Militärarzt geworden! Und als der Herr Reichskriegsminister in den Delegationen über das System des Herrn v. Uriel interpelliert worden ist, gab er eine ganz merkwürdige Erklärung und Antwort. Er sagte, die Bevölkerung in Oesterreich sei, was die Judenschaft betrifft, bloss zu 4-7 Perzent Juden (Abgeordneter Prochazka: Leider!) Nun,, verehrter Herr, vergessen Sie mit Ihrem „Leider" — ich höre ja jranz gut — wohl eines nicht, dass ja eigentlich die Juden von den Christen nicht weit entfernt sind. (Rufe: Oho!) Unserer Religion nach gehören wir sehr enge zusammen, (Rufe: Ach, gehn's!), ja sehr enge! Leugnen können Sie es, aber wahr ist es doch! Ich bitte, wir wollen über dieses Kapitel bei einer anderen Gelegenheit sprechen. (Abgeordneter Prochazka: Was haben die alten Juden geschwindelt! Abraham und Esau haben schon geschwindelt und denken Sie an andere Geschichten!) Ptui, Sie schmähen damit nur Ihre eigene Konfession. (Rufe: Das ist keine konfessionelle, sondern eine nationale Frage! — Abgeordneter Dr. Mahler: So viel ich weiss, hat der katholische Ritus die Bibel ebenso rezipiert wie wir!) Man muss, meine Herren, vor einigen Wochen nur den Bericht über einen Vortrag gelesen haben, den der bekannte zaubergewaltige Herr Ernst Vergani auf der Landstrasse gehalten hat. Er hat Felonie geübt — alles Ehrwürdige geschmäht! Er hat in diesem Vortrage die Patriarchen Zuhälter, Zuträger und Gauner und deren Frauen Dirnen genannt. Meine Herren! Ich bitte, diese Erscheinungen in der Bibel sind Ihnen ebenso heilig wie uns. Sie allein müssen empfinden, wie schmählich dieses Beginnen des Herrn Vergani ist — es schädigt Sie mehr als uns —, da wir ja ohnehin stets in niedriger Weise beschimpft werden. Machen Sie das mit Ihrem Herrn Vergani aus. (Zwischenrufe.) Das ist Tatsache, das können Sie nicht leugnen. (Rufe: Das gehört doch nicht zum Rekrutenkontingent!) Auf die Zwischenrufe des Herrn Prochazka muss man antworten. Meine Herren! Von Seite der Heeresverwaltung wurde ausdrücklich anerkannt und zugegeben, dass derzeit ein Abgang von 220 Militärärzten vorhanden ist; bei dem Sollbestande von 1236 Militärärzten ist gegenwärtig ein Abgang von nicht weniger als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.