Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Generalstabsarzt Dr. v. Uriel und die Joden. Abg. Dr. Straucher hielt bei der Beratung des Rekrutengesetzes eine längere Rede, in welcher er namens der Jüdischen Klubs namentlich über die Misshandlung jüdischer Soldaten und dem Mangel aktiver jüdischer Militärseelsorger Beschwerde führte. Er besprach insbesondere eingehend die Fälle des Kanonieis Samuel H e n n e r in Przemysl, des Husarenkorporals Gottfried D a 1 m a n n in Czernowitz und des Rekruten Michael H e r s c hk o v i t z in Wien. Innerhalb des Militarismus könne auch von einei nationalen Gleichberechtigung und Rechtsgleichheit der Angehörigen aller Konfessionen keine Rede sein. Als Beweis dafür di^ne die Tatsache, dass die jüdischen Soldaten nicht einen einzigen aktiven Militärseelsorger besitzen. Als treue Staatsbürger haben die Juden auch das Recht, in diesem Staate so behandelt zu werden wie alle übrigen Staatsangehörigen. In Besprechung der Zustände im militärärztlichen Offizierskorps bemerkt Redner, dass seit der Amtswirksamkeit des Generaloberstabsarztes Dr. v. Uriel sich das militärärztliche Leben zu seinem Nachteile verändert hat. Wir geben diese Stellen der Rede wörtlich wieder. Dr. Straucher sagte: Es ist in beteiligten Kreisen anerkannt, dass das gegenwärtige System des Herrn v. Uriel zum entschiedenen Nachteile des ganzen militärärztlichen Offizierskorps gereicht. (Abgeordneter Prochazka: Das ist Ansichtssache!) Das ist nicht Ansichtssache, das ist notorische Tatsache — selbstverständlich von vorurteilsfreier Seite. Fragen Sie nur einmal in den militärärztlichen Kreisen! Erkundigen Sie sich bei vorurteilslosen, in dieser Frage kundigen Leuten, so werden Sie hören, welche Erregung im militärärztlichen Offizierskorps seit dem System dieses Herrn v. Uriel herrscht! Trotzdem, dass notorischer Aerztemangel herrscht, trotzdem, dass notorisch eine Aerztefiucht aus dem militärärztlichen Offizierskorps stattfindet, trotzdem in Oesterreich 27 Garnisonsspitäler zu bedienen sind, trotzdem alljährlich infolge der Assentierungen, Waffenübungen und Manöver selbstverständlich viele Aerzte kommandiert werden müssen, komplettiert Herr v. Uriel nicht das militärärztliche Korps, sondern seine Massnahmen drängen viele hinaus? Und warum? Weil Herr v. Uriel bei der Anstellung der Militärärzte eine konfessionelle Auslese macht. Für ihn ist nicht das Interesse der Mannschaft, der Bedarf an Fachmännern, an Aerzten, massgebend, sondern er will sich auf die Art auch das Wohlwollen und die mächtige Unterstützung der gegenwärtig am Ruder befindlichen Partei sichern, wenn er dem militärärztlichen Offizierskorps einen Geist einhaucht, der wahrlich diesem Korps nicht zum Nutzen gereicht, deshalb nicht, weil er dem gesamten Militärstande zum Nachteile gereicht. Bedenken Sie, meine Herren, was auf dem Spiele steht! Herr v. Uriel