Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Wache bezog und vollständig genügte, um vereinzelte Eindringlinge zu vertreiben. Schon die Existenz dieses Korps war ein gewisser Schutz, es hat aber auch den Kampf nicht gescheut und besonders die Mitglieder der Fleischhauerzunft hielten sich sehr wacker. Ueberdies intervenierten bei dringenden Gefahren die Mitglieder des Komitees selbst. Ich erinnere mich noch, dass in den beiden Sedernächten mein Vater kaum eine Viertelstunde anwesend sein konnte. Es hat auch in diesen Tagen der Humor nicht gefehlt. Alle bewaffneten Korps führten pompöse Namen. Das jüdische Korps wurde scherzweise „Dallphonia" genannt. (Heiterkeit.) Am 1. Mai wurde die Lage noch bedrohlicher. An diesem Tage bereitete sich ein förmlicher Pogrom vor. Eine ungeheuere Menschenmenge bedrohte die Eingänge in die Judenstadt. Die „Dallphonia*' tat ihre Schuldigkeit'und setzte energischen Widerstand entgegen. Bald rückte die Nationalgarde unter ihrem Kommandanten Haase heran, der sich die Studentenlegion mit ihren farbigen Mützen anschloss. Später kam auch Militär und die Anstürmenden wurden ohne Blntvergiessen zerstreut. Es trat Ruhe und Ordnung ein und die „Dallphonia" wurde auf der jüdischen Hauptwache mit allen militärischen Ehren abgelöst. Die Entschlossenheit der Juden hatte den Gegnern imponiert. Der beste Beweis hiefür ist der Umstand, dass, als am 11. Juni der Pfingstaufstand in Prag ausbrach und das Militär das rechte Moldauufer räumte, die Juden nicht behelligt wurden. Die Gewalt war abgeschlagen, nun begann die Schikane. Obschon der Anschluss der Judenstadt an die Stadtgemeinde vollzogen war, wurde der Versuch gemacht, die jüdischen Geschäfte zu sperren und die Juden in die Judenstadt zurückzudrängen. Es wurde die Hilfe der Regierung angerufen. Der damalige Kreispräsident, ein gerechter Mann, missbilligte diese Massregel, erklärte aber, es wäre eine grosse Gefahr, die Autorität vor dem Volke zu diskreditieren. Jedenfalls hat er aber interveniert, das weitere Sperren eingestellt und den Geschädigten selbst einen Rat gegeben, wie sie sich selbst schützen könnten. Sie mögen ihre Geschäfte unter dem Rechtstitel von Mederlagen eines beliebigen Fabrikanten weiterführen, denn die Fabrikanten hatten damals das Recht, überall Niederlagen zu errichten. Inzwischen war das Jahr 1850 gekommen, in welchem die Gemeindeordnung für Prag erlassen wurde. Sie enthält die Bestimmung, dass die Judenstadt an die übrigen vier Stadtviertel angeschlossen ist, dass jedoch von den Juden ein Einkaufsbetrag zu erlegen sei, indem sie zu dem Vermögen der Prager Gemeinde im Verhältnis der beiderseitigen Gesamtbevölkerung beitragen sollten. Weder das Vermögen, noch die Gesamtbevölkerung der Prager Gemeinde war damals konstatiert. Es trat eine Kommission zusammen, bestehend aus je drei Delegierten der beiden Gemeinden, welche sich bald einigten. Es wurde angenommen, dass Prag ein