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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 24 (sequence 25)
Language
German
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24 Gemeindevorsteher hatte nicht einmal eine Exekutive, denn mit den zwei oder drei Amtsdienern, die ihm zur Verfügung standen, liess sich natürlich nötigenfalls die Bevölkerung nicht in Ruhe halten. Als die Stimme der Freiheit ertönte und das absolute Regime gebrochen war, wollten sich natürlich die Juden als vollgültige Mitglieder der Prager Stadtgemeinde betrachtet wissen, deren Lasten sie durch lauge Zeit so treulich haben mittragen helfen. Sie nahmen für sich sämtliche politische Rechte in Anspruch, welche die kaiserlichen Patente verhiessen, sie traten in die Studentenlegion und in die Nationalgarde ein und nahmen freudig alle politischen Pflichten auf sich. Weniger erklärlich ist es, dass dieses Streben auf den härtesten Widerstand seitens der übrigen Bevölkerung stiess. Ich habe mir das Einreichungsprotokoll der jüdischen Gemeinde von 1848 geben lassen, um zu sehen, wie sich in demselben das Freiheitsjahr ausnimmt. Das erste Stück, welches mir in die Hand kam, war ein Verbot, welches die Juden von der Beteiligung an den Landtagswahlen im März 1848 ausschloss. Das hat mir die Lust zu weiteren Forschungen benommen. Tatsächlich ist aus dem Begehren der Juden ein harter Kampf entstanden. Zunächst wurden die Mittel der Gewalt und Einschüchterung versucht. Ende März und Anfang April wurden an die jüdischen Gemeindevorsteher von organisierten bewaffneten Korps Drohbriefe geschickt, dass sie alles für ihre Person und ihr Eigentum befürchten sollten, fall--? die Juden auf ihrer Forderung nach politischen Rechten bestünden. Der damalige Vorsteher Moses Landau berief eine Versammlung der Gemeindevorsteher ein, welcher sich ein Komitee anschloss, dessen Rechtsnachfolger die heutige Repräsentanz ist. Auch die Rabbiner, damals Oberjuristen genannt, wurden in Anbetracht der dringenden Notlage geladen. Landau eröffnete die Verhandlungen, legte die ihm zugekommenen Drohbriefe vor und fragte die Anwesenden, was sie zu tun gedächten. Der ehrwürdige greise Salomon Rappaport ergriff das Wort und beschwor die Versammelten mit Tränen in den Augen, nicht abzugehen von ihren Bestrebungen und auf jede Gefahr hin bei dem Begehren nach der vollständigsten Gleichberechtigung zu verharren. Gefahr drohe dem Einzelnen nur persönlich, der Schade aber, wenn dieser glückliche Zeitpunkt unausgenützt bleibt, treffe das ganze jüdische Volk, die Kinder und Kindeskinder. Sein Antrag wurde einstimmig angenommen und alle Drohungen zurückgewiesen. Auf Schutz seitens der Regierung durfte man in jenen Zeitläuften nicht hoffen, zumal da das Militär infolge der Revolutionen, die allenthalben ausgebrochen waren, nur in geringem Masse zur Verfügung stand. Die Gemeinde schloss sich ihren Vertretern an. Es bildete sich freiwillig ein zwar nicht uniformiertes, aber bewaffnetes Korps unter dem Kommando des MUDr. Gitschin, welches in der Pinkasgasse die

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