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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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dieses Beschlusses hingewiesen und namens der Regierung sich gegen dieselbe erklärt hätte, diese Resolution fallen gelassen oder abgelehnt worden wäre. Der Minister hat seine beschworene Pflicht, die Verfassung zu wahren, einerlei, ob es sich um Juden oder Christen handelt, nicht erfüllt. Das lässt tief blicken. Das spricht Bände. Was haben wir nun diesem Ereignis gegenüber sofort zu tun, und des weiteren: welche Konsequenzen haben wir für unser Verhalten in der Zukunft daraus zu ziehen? Vor allem müssen sich alle Juden zusammentun und den entschiedensten und schärfsten Protest einlegen gegen die Resolution, gegen ihren Inhalt, gegen den Geist, dem sie entsprossen. Wir werden Ihnen in dieser Richtung gleichfalls eine Resolution zur Annahme vorlegen und ich hoffe, dieselbe werde nach der Annahme durch die Versammlung gleichsam eine Plattform werden, um die sich sämtliche Juden ohne Unterschied der Parteistellung, ohne Unterschied dieser oder jener Richtung, als um eine gemeinsame Sache, der gegenüber alle kleinen Differenzen schwinden müssen, scharen werden. Ich gehe aber weiter: Das Verhalten der sogenannten „D e u t s ch - F r e i h e i 11 i c h e n", einerlei, welchen speziellen Titel sie sich gegeben haben, ist allerdings für Sie, meine Herren, keine Ueberraschung. Es sind nahezu 15 Jahre, dass Ihr Vorstand den Charakter sämtlicher deutscher Parteien offen gekennzeichnet und die Voraussage gewagt hat, dass nicht nur die Juden, sondern auch die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit von diesen deutschen Parteien nichts zu erhoffen haben. Diese Voraussage ist mit jedem Tage wahrer geworden und niemand von uns kann sich heute mehr die geringste Illusion darüber machen, dass diese sämtlichen deutschen Parteien auch nur für die geringste ihrer nationalen Ambitionen die Juden ohne jedes Bedenken wirtschaftlich und politisch hinzuschlachten bereit sind. Zwischen diesen deutschen Parteien und den Christlich-Sozialen ist mit Ausnahme etwa der Univers tätsfrage — und diese ist ja vielfach durch die Besetzung der Dozenturen und Professuren eine für die Deutschen sehr materielle kein Unterschied. Ich führe Ihnen als klassischen Zeugen für diese Bewertung der „Deutsch-Freiheitlichen" das „Deutsche Volksblatt" an, welches schreibt: „In der vorgestrigen Sitzung des Budgetausschusses hat sich ein neuer Anlass ergeben, um zu beweisen, wie wenig verschieden im Grunde genommen die Standpunkte sind, auf welchen die Christlich- Sozialen und die übrigen deutschen Parteien stehen." Ja, meine Herren, Verfassung, politische Freiheit, politische]- Fortschritt, für die deutschen Parteien sind alle diese Dinge absolut keine politischen Motive mehr. Und wenn es sich um Juden handelt, herrscht

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