Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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24 50 Franks Geldstrafe. Dr. Niemirower, der zur Verhandlung nicht erschienen war, erhob gegen dieses Urteil Einspruch und wird wahrscheinlich auf dem instanzwege eine oberstgerichtliche Entscheidung in dieser für die jüdische Bevölkerung in Rumänien wichtigen Frage herbeiführen. Wien. (Vergani als Geschichtsforscher.) In Wien besteht ein politischer Verein namens „Zukuüft", der sich namentlich dadurch auszeichnet, dass seine Führer und Grössen eine schöne Zukunft — hinter sich haben. Es sind meistens „gewesene Männer"; um mit Gorki zu reden. Leute, deren Stern bereits untergegangen ist. Diese Ueberwinder ihrer Zukunft, unter ihnen die gewesenen Grössen Vergani, Purscht, Vetter und andere, versammelten sich kürzlich in dem Verein „Zukunft*, der besser „Vergangenheit" heissen sollte, unl hörten mit Andacht uud Aufmerksamkeit einen Vortrag des Herrn Vergani an, betitelt „Das Judentum im Spiegel seiner Geschichte." Vergani trat als Geschichtsforscher auf, und zwar, merkwürdig genug, als Verfechter der voraussetzuugslosen Wissenschaft. Freilich, eine Voraussstzungslosigkeit eigener Art; Vergani gründet nämlich seine Forschungen auf gänzliche Unbefangenheit durch historisches Verständnis und gründliche Kenntnisse und erwartet auch von seinen Zuhörern die gleiche „Voraussetzungslosigkeit". Nur einige kleine Beispiele V ironischer Geschichtsforschung. Herr Vergani beschäftigt sich zunächst mit d<. q Alten Testament und erzählt als tiefsinniges Gleichnis des arisch autisemiti. t'hen Rassenstreites die Geschichte von Esau und Jakob. Esau ist der ehrliche, ackerbautreibende Arier, der von Jakob, dem schlauen, glatten, : usbeuteriscbe^ Juden, über den Löffel barbiert wird. Das ist neu. Bisher warm wir nämlicl der Ansicht, dass Esau und Jakob, die ja Sölne derselben Mutter waren, bei le Juden gewesen sind, und dass da von einem tGleichnis des arisch-antisen itischen Rassenstreites" keine Rede sein kann. Wir vermögen es wenigstens aicht einzusehen, wie ein Rassenstreit zwischen Angehörigen derselben Rass entstehen kann. Noch etwas Neues verkündet Herr Vergani: „Jakob ist der Erfinder der Fruchtbörse. Bitte, die Begründung dieser i chauptung er ^lgt nicht durch einen der bekannten biblischen Kalauer, sondt n durch die Erklärung: „Der Jude Jakob kaufte in günstiger Zeit die Ackerfrüchte der Arier auf, um sie zur Zeit einer Veileienheit mit grossem Nutzen loszu?"^agen und sich hiedurch alleilei Vorrechte zu erwerben und zu sichern." Dann verbreitet sich der Geschichtsforscher Vergani über die Unsittlichkeit der jüdischen Frauen, die er durch Beispiele aus dem Alten Testament erhärtet. Nun, es möge nicht bestritten werden, dass die Sittlichkeit im alten Juda nicht auf der idealsten Höhe stand. Aber wenn Herr Vergani nicht durch historische Kenntnisse vollkommen unbeirrt seine Theorien aufstellen würde, so würde er sich hüten, von der alltestamentarischen Judenweiberei auf die heutigen jüdischen Frauen zu schliessen. Andere Zeiten, andere Sitten! Nach dieser Theorie müssten ja auch die deutschen Frauen ein Ausbund der Unmoral sein, denn ihre Vorfahren zeichneten sich durchaus nicht durch Sittlichkeit und Tugend aus. Man denke nur an die Verhältnisse am Hofe des deutschesten aller Fürsten, Karl des Grossen, der vier Frauen und ausserdem noch echt Konkubinen hatte und dessen Töchter sich einer sehr zahlreichen ausserehelichen Nachkommenschaft erfreuten. Auch sonst plagt sich der Geschichtsforscher Vergani nicht sehr mit historischen Reflexionen. So zum Beispiel bezieht er die bekannten gehässigen Aeusserungen des Tacitus über die Christen auf die Juden und bezeichnet die Gemahlin Neros, Poppäa Sabina, die bekanntlieh aus einer