Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Elbogen zuerst mit Stentorstimme einer Trompete aus Jericho, dann mit dem Brusttone der „tiefsten Ueberzeugung" und zum Schlüsse mit dem heiseren Schrei des unter dem Alpdruck des Justizmordes von Kuttenberg ächzenden Gerechtigkeitsgefühls und Eechtsbewusstseins! „Wir gehen zum Kaiser", um zu erfahren: Ist es wahr oder unwahr, dass die Geschwornen von Kuttenberg unter dem beherrschenden Zeichen der Blutbeschuldigung ihr Verdikt gefällt haben; um zu erfahren : Ist es wahr oder unwahr, dass eine ganze Reihe von Zeugen, von der antsemitischen Presse beeinflusst, falsch ausgesagt haben; ist es wahr oder unwahr, dass ein zum Zwecke errichtetes Komitee unter den Augen der Behörden Staatsanwalt, Richter und Geschworne beeinflussen durfte u. s. w. u. s. w.u und seine pathetischen Exklämationen wurden von dem durchwegs jüdischen Auditorium, in dem einem beinahe um sein eigenes Blut bange wurde, abwechselnd mit „PfuiP-Rufen und tosendem Beifall unterbrochen. Und was erwarten die Juden vom Kaiser?! Ist denn wirklich die Krone dazu berufen, einen Justizirrtum aufzuklären? Ist die Krone dazu berufen, endgültig ein Urteil darüber abzugeben, ob die Geschwornen von Kuttenberg und Pisek unter dem Einflüsse des verwerflichen Ritualmordmärchens ihren Wahrspruch gefällt haben oder nicht? Sind sich die Juden dessen fcewusst, was sie vom Kaiser verlangen? Haben die Juden das Empfinden, dass hier ein Versuch gemacht wird, Kraft gegen Gesetz, Gnade gegen Gerechtigkeit, die geläuterte Nächstenliebe gegen die Wahrheit auszuspielen? Offenbar nicht! Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Prozess Hilsner — wie jeder Strafprozess, in den die Sensation verheerend hineinspielt — nicht auf eine Weise durchgeführt wurde, wie es das Gesetz, die Gerechtigkeit und das allgemeine Rechtsbewusstsein erfordern. Wir sind alle im klar en darüber, dass inderHilsneraffäre etwas geschehen muss, diese als eine Rassenwunde empfundene Affäre nochmals vor den Augendergesamtengesitteten Weltaufzurollen und mit dem Mikroskope zu analysieren, um der Sache endgültig auf den Grund zu kommen. Durch einen Gnadenakt des Kaisers würde allerdings dem Schusterlehrlinge seine Freiheit wiedergegeben werden, er würde aber immer"Doppelmörder bleiben und jener Makel, der nach Ansicht des Judentums auf die österreichische Justiz in Kuttenberg undPisek vor acht Jahren geladenwurde, wärenichtumeinJota vermindert und die Hilsnerfrage würde in ihrer heutigen Kraft und Vehemenz fortbestehen. Wiederaufnehmen und vor das Wiener Schwurgericht delegieren! das ist die