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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-03-01 · 3 (3.1908) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
3 (3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 17 (sequence 20)
Language
German
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17 das Wort ergriff. Er führte aus, dass die Aktion für Hilsner alle vereinen werde, die noch nicht das Gefühl für Recht und Gerechtigkeit verloren haben. Die von Herrn Doktor Elbogen eingeleitete Aktion ist auf die Begnadigung Hilsners gerichtet. Niemand, der menschlich empfindet, wird sich dem tiefen Mitleid für das furchtbare Schicksal des unschuldig Verurteilten verschliessen. Aber wir wiederholen es immer von Neuem: Die blosse Begnadigung würde die Tat- und Schuldfrage nicht aufhellen und die gegen das ganze Judentum gerichtete Beschuldigung des Ritual mord es verewigen. Wir werden daher, unbeirrt von jener Aktion, die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Freisprechung Hilsners in aller Form Rechtens weiter anstreben. * * * Die Christlich-Sozialen für die Wiederaufnahme. Die Notwendigkeit einer Wiederaufnahme des Hilsner-Prozesses — keineswegs aber der Begnadigung — scheint sich in Rücksicht auf das Ansehen der österreichischen Justiz allmälig auch in christlichsozialen Kreisen durchringen zu wollen. So schreibt das „Deutsche Volksblatt" vom 19. März d. J. gelegentlich der Besprechung der Versammlung im Sophiensaa 1 „Wir erklären gleich von vornherein: Wir sind für d i e Wiederaufnahme desHülsner- Prozesse s (das „Deutsche Volksblatt" hält seltsamerweise noch immer an dieser unrichtigen Schreibweise des Namens Hilsner fest) ....aber wir sind gegen die Begnadigung." Und am Schlüsse: „Wie gesagt, wir haben gegen einen dritten Hülsner-Prozess nichts einzuwenden." Noch entschiedener und deutlicher tritt die christlichsoziale „R e i c h s p o s t", das Organ des Ministers Dr. Gessmann, in ihrer Nummer vom 20. März d. J. für die Wiederaufnahme des Verfahrens ein. Das Blatt veröffentlicht eine Zuschrift des Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. H o f m o k 1, die wir hier im vollen Wortlaute und auch mit Beibehaltung aller antisemitischen Ausfälle wiedergeben. Dr. Hofmokl schreibt: „Ein Schulbeispiel datür, wie leicht es ist, das Massenunterbewusstsein durch mit schillerndem Dekorationstand der Redekunst behängte, wenn auch total verfehlte Ideen zu blenden und diese Massen zu geradezu leidenschaftlichen Kundgebungen gegen Politik, Gesetz, Gerichtsbarkeit und Kultur aufzupeitschen, liefert die gestrige Versammlung in den Sofiensälen, in der Dr. Elbogen sein Gnadengesuch für Leopold Hilsner in einem anderthalbstündigen Plaidoyer begründete: „Wir gehen zum Kaiser!" war der Refrain, welcher mir noch in den Ohren nachklingt! „Wir gehen zum Kaiser!" rief Doktor 2

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