Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9756662-9603886-9603963--1827-9603981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16 mit ihren bequemen, jede göttliche Autorität verleugnenden Lebensanschauungen. So haben die Juden in China, wo sie einst in vollem Masse den Vorzug kaiserlicher Gunst genossen, es nicht verstanden, sich wie anderswo ihre Eigenart zu bewahren und die Vorteile in ihrer reineren und weniger abergläubischen Religion zu finden und auszunützen, an Hand derer sie sich als eine Nation unter den Chinesen vielleicht doch hätten durchringen und erhalten können. — So ist nichts weiter von ihnen übriggeblieben im Eeiche der Mitte als ein paar Steininschriften und die Geschichte ihrer früheren ansehnlichen und in gewissem Sinne vielversprechenden Existenz. Zar Affäre Hilsner. Für den 18. d. M. wurde in den Spophiensaal eine Versammlung einberufen, in der die Affäre Hilsner besprochen wurde. Als Einberufer zeichnete ein Komitee. Das Referat erstattete Hof- und Gerichtsadvokat Doktor Friedrich E 1 b o g e n, der in ausführlicher Rede die Verhandlungen gegen Hilsner in Kuttenberg und Pisek besprach und bemerkte: Wenn der Vorsitzende der Verhandlung, also der höchste Richter im Saal, der berufen und verpflichtet war, die Wage der Gerechtigkeit jedem Luftzug von Parteilichkeit zu entrücken, das Verhör Hilsners mit der Bemerkung eröffnet: „Ob Sie ihr die Wunde versetzten, wissen wir nicht, aber, dass Sie mitgewirkt haben, ist eine sichere Sache," wenn dieser Präsident also seine Befangenheit und Voreingenommenheit in dieser beispiellosen Art kundgibt, so darf es uns freilich nicht wundernehmen, dass auch die ganze Verhandlung auf diesen Ton gestimmt war. Hierauf wendete sich der Redner der Kritik der Prozesse durch den Berliner Rechtsanwalt Dr. Artur N u s s b a u m zu, der den Beweis für die Schuldlosigkeit Hilsners erbracht habe, ferner den Gutachten des Universitätsprofessors Dr. Kratter aus Graz und des Geheimen Medizinalrates Professor Ungar aus Bonn auf dem Kongress der deutschen Gesellschaft für gerichtliche Medizin, der im Vorjahre in Dresden tagte. Dr. Kratter führte in seinem Gutachten unter anderm aus, dass ganz gewiss das Urteil der Geschwornen unter dem Drucke eines massenhaft angehäuften Auditoriums, also unter einer ganz bestimmten suggestiven Wirkung, erfolgt ist, Doktor Elbogen verbreitete sich hierauf über die Geschichte der Blutsbeschuldigung und schloss mit der Mitteilung, aass ein in Bildung begrffenes Zentralkomitee im ganzen Reiche Unterschriften für ein Begnadigungsgesuch an den Kaiser sammeln werde. Die Solidarität des Rechts - gefühls, sei die höchste Beglaubigung der Menschheit. Der Vorsitzende der Versammlung Profess . DoktorSeberinyi dankte dem Redner, worauf noch Doktor Ferdinand Kronawetter