Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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15 und bete für das Reich", und selbst im Innern waren die eingemeisselten Inschriften in einem höchstens für Eingeweihte verständlichen abweichenden Sinne abgefasst: „Das W e s e n, das wir in unserer Religion ehren, ist ohne Körper" — oder: „Das Gesetz, das wir hochhalten und verehren, ist ohne Form". — Im innersten Tempel war jedoch sofort ersichtlich, dass ein von der Religion des Landes verschiedener Kultus hier betrieben wurde. Hinter dem üblichen Altar für die Verbrennung der Räucherpulver stand auf einer Erhöhung der Stuhl Mosis, über dem allerdings wieder die landesübliche kaiserliche Tafel unter einem gewöhnlichen chinesischen Baldachin den Ehrenplatz einnahm. Dieser Teil des Gebäudes war von einer Steinbalustrade eingefasst, hinter der sich dann der heilige Schrein, das Bethel oder das „Haus Gottes" befand, während an beiden Seiten Stative für die Gesetztafeln aufgestellt waren. Ueber dem Stuhl Mosis erhob sich ein Kuppeldach, aber sonst bot das ganze Gebäude dem chinesischen Auge wenig Ungewöhnliches dar. Auch in dem Allerheiligsten wiesen die immer in chinesischen Charakteren gehaltenen Inschriften das gleiche Prinzip der Anschmiegung auf. In ihnen wurde der Patriarch Abraham, dessen Name als „Lohan Abu" erschien, als der neunzehnte Abkömmling „Pankus", d. h. Adams, bezeichnet, und sie besagten ferner, dass er die Lehrer der Religion in dem 146. Jahre der Chow-Dynastie, d. h. 977 vor Christi Geburt, öffentlich festsetzte, die dann im 613. Jahre des Chow (509 v. Chr.) auf Moses überkamen. Hiernach fand noch der Patriarch Ezra (A-tse-La) Erwähnung, und es wurde verkündet, dass die Patriarchen „von Anbeginn alle Bilder, den Glauben an Geister und dergleichen verworfen hätten". — Auch war die Versicherung vorhanden, dass die jüdische Religion ,.mit heiligem Eifer an die Wege des Himmels glaube und sie ehre und fürchte". — Ferner wurde der Vorfahrenkult, die Beziehungen zwischen Herrscher und Minister, sowie die Familie, die Freundschaft und das Gesetz als Gegenstände der Verehrung genannt. Schliesslich wurden noch Andeutungen in den Inschriften gefunden, die besagten, dass die jüdische Religion in der Hauptsache fast völlig mit der der „Literati" übereinstimme und von dieser nur in Punkten untergeordneter Bedeutung abweiche, in Wirklichkeit überhaupt kein anderes Objekt habe als die Verehrung de** genannten „fünf natürlichen Beziehungen". Es ist erklärlich, dass eine Religion, die sich zu einer permanenten Entschuldigung ihrer eigenen Existenz erniedrigt, nicht von langer Lebenskraft und Dauer sein konnte, und so verblich das jüdische Bekenntuis in China nach und nach, bis es ganz verschwand. Seine früheren Anhänger wandten sich teils dem praktischen und tätigen Glauben ihrer mohammedanischen Nachbarn zu oder sie verloren sich unter den damals vornehmen Jüngern des Chuhi