Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 eine Reihe von zum Teil sehr phantastischen Theorien über den Umfang und die Bedeutung dieser Entdeckung aufgestellt. Man gab sich dabei verschiedentlich der Erwartung und Hoffnung hin, dass an Hand der inzwischen gründlich erforschten und studierten Ueberbleibsel die verhältnismässig beschränkte Kenntnis von den Weltwanderungen der Juden grosse Bereicherung erfahren werde und dass sogar Geschichte und Doktrin Aufklärung und Ergänzung in mancher strittigen Frage erlangen könnten. Aber diese Wünsche sind zum grössten Teile nicht in Erfüllung gegangen. Allerdings hat ein isolierter Zweig der semitischen Nation in der fernen Honan-Provinz lange bestanden, aber die Synagoge von Kaifengfuh — der Ort war vor mehr als 500 Jahren der Mittelpunkt des Judentums in China — ist längst vollständig vom Erdboden verschwunden, und nur einige wenige Steintrümmer mit immerhin ganz lehrreichen Inschriften sind Zeugen ihrer ehemaligen Existenz. Die ersten Juden sind zweifellos als Flüchtlinge mit dem letzten Sassanier-Könige von Persien, Yezdegerd, der von dem Kalifen Othman besiegt und zur Flucht gezwungen wurde, im Jahre 651 vor Christi Geburt nach China gekommen, wo sie von dem Kaiser Kaotsung aus der damals neuen T'ang-Dynastie wohlwollend aufgenommen wurden. In der alten chinesischen Literatur werden sie als Anbeter eines „fremden Geistes" häufig erwähnt, und sie scheinen in vielen grossen Städten kleinere und bedeutendere Gemeinschaften von gewissem Einflüsse gebildet zu haben. Tempel für die Ausübung ihres Gottesdienstes rinden Erwähnung in Verbindung mit den Städten Singan, Kaifeng, Hangchow und Kanton. Diese Juden, die unter der T'ang-Dynastie ungestört ihre Gemeinwesen ausbauen und ihre Religion, Sitten und Gewohnheiten ohne Beschränkung ausüben konnten, scheinen sich trotzdem allmählich mit den Chinesen verschmolzen zu haben. Ihre religiösen Begriffe vermengten sich mit den Lehren des Confucius, sie verloren ihre jüdischen Namen und gingen somit nach und nach in den sie umgebenden unzähligen Millionen von Chinesen gänzlich unter, f Ein ungefähres Bild von der verschwundenen Synagoge von Kaifengfuh gibt die Beschreibung des ersten Entdeckers der wenigen Trümmer, des Jesuitenpaters Gozani, die im Jahre 1707 gedruckt wurde und mit Zeichnungen der mutmasslichen Grundrisse etc. versehen war. Diese Pläne sind in einem interessanten Buche über die Juden in China des Pere Jerome Tobar von der katholischen Missionsanstalt in Shanghai in Faksimiles wiedergegeben worden mit ziemlieh ausführlichen Schilderungen über das Aeussere und Innere des Tempels. Das Aeussere der Synagoge mit ihren Höfen und „Pailows" unterschied sich danach kaum von dem der gewöhnlichen confucianischen Tempel, und auch die Inschriften schienen auf den ersten Blick nicht von den landesüblichen abzuweichen. Ueber dem Eingangsportal standen die Worte: „Ehre den Himmel