Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Konfessionen festgehaltenen Grundsatze aus, dass die Zugehörigkeit zu einer Kultusgemeinde nicht in das Belieben des Einzelnen gestellt werden kann, sondern dass hierfür ein objektives Moment, der Wohnsitz, massgebend sein müsse. Nichtsdestoweniger blieben auch nach Neukonstituierung der Kultusgemeinden die bisher bestandenen Kultusvereine innerhalb der Sprengel der Kultusgemeinden fortbestehen, soferne sie nicht in den Jahren 1876 und 1890 zu selbständigen Kultusgemeinden erhoben wurden. Seither erfolgten noch vielfach Gründungen von Kultusvereinen, welche hierzu der Zustimmung jener Kultusgemeinde bedürfen, in deren Sprengel sie errichtet werden sollen. Die derzeit bestehenden Kultusvereine decken ihre Kultusbedürfnisse zum grössten Teile aus eigenen Mitteln, ohne Unterstützung der übergeordneten Kultusgemeinde, teilweise subventioniert vom Mährisch-jüdischen Landesmassafond. Ihre Mitglieder sind hiei durch stark belastet, da sie neben den Bedürfnissen für den lokalen Kultus auch noch die Kultussteuer an die Muttergemeinde abführen müssen und ihnen hierbei bloss ein kleiner, statutenmässiger Abstrich (die Hälfte oder ein Drittel) gewährt wird. Soziale Verhältnisse. Die gesetzlichen Beschränkungen, denen die Juden bis zur Einführung der Dezemberverfassung ausgesetzt waren, wurden in neuerer Zeit abgelöst durch andere Verhältnisse, welche den Juden die Existenzbedingungen erschwerten und zum Teile sogar untergruben. Dadurch, dass die tschechische Bevölkerung, unter welcher die Juden hauptsächlich lebten, sich in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts kultuell und wirtschaftlich auf ein immer höheres Niveau erhob, insbesondere durch Begründung von Mittel- und Fachschulen, besonders Handels-und Gewerbeschulen in den Provinzstädten Gelegenheit erlangte, sich auszubilden, wandten sich viele Tschechen dem Handel und Gewerbe zu und Hessen sich als Kaufleute oder Handeltreibende in Orten nieder, in welchen bisher der Handel ausschliesslich in den Händen der Juden sich befand. Durch das gleichzeitig aufstrebende nationale Element unter den Tschechen wurden nun die tschechischen Kaufleute und Gewerbetreibenden den Jaden von der Bevölkerung vorgezogen, welche im Juden nicht nur den Andersgläubigen, sondern zum grossen Teil auch den Deutschen sah, da die Juden infolge der Eigenart der mährischen Verhältnisse bis in die neueste Zeit nicht nur untereinander deutsch sprachen, sondern bei Wahlen auch gewöhnlich zugunsten der deutschen Kandidaten ihre Stimmen abgaben. So kam es, dass die tschechischen Handelsleute auf dem Lande und in den Provinzstädten immer mehr florierten, während die Stellung der Juden sich zusehends verschlechterte. Hierzu kam vielfach die antisemitische Bewegung, welche sich in grösserem und kleinerem Masstabe allmählich über das ganze Land verbreitete und, vielfach