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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 22

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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<22 Lemberg. Hier besteht schon seit längerer Zeit eine mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestattete Privatschule für erwachsene Mädchen, die als Pflanzstätte des Antisemitismus und als Vorbereituugsschule für die Taufe jüdischer Mädchen schon oft von sich reden machte. Die Besitzerin und Leiterin der Schule ist eine Frau Nepzialkowska. Die Schule steht unter dem Protektorate des Lemberger Bischofs. Dieser hohen Protektion dankt es Frau Nepzialkowska, dass sie das Gesetz umgehen darf und für die leider zahlreichen jüdischen Schülerinnen keinen Religionslehrer bestellt. Aber nicht nur, dass die genannte Leiterin der Mädchenschule auf diese Weise verhindert, dass die jüdischen Mädchen in ihrer Religion unterrichtet werden, zwingt sie sie auch, an den katholischen kirchlichenFeierlichkeiten in der Kirche teilzunehmen und sich äuf diese Weise für die Taufe vorzubereiten. Zahlreiche öffentliche Skandale waren die Folge solcher gegen den Willen der Eltern herbeigeführten Taufen. Diejenigen jüdischen Mädchen, die den Bekehrungsversuchen der Frau Direktorin und ihrer Lehrerinnen Widerstand entgegensetzen, werden nach dem antisemitischen Rezept behandelt. Sie werden beschimpft und müssen es ruhig anhören, wie ihre Eltern beschimpft werden, die, wie die Frau Direktorin ihnen vorwirft, „als Handelsjuden nach Polen gekommen sind und sich an den Christen bereichert haben." Hat nun gar eine jüdische Schülerin den Mut, zu verlangen, dass ihr ein jüdischer Feiertag freigegeben werde, dann muss die Arme in Anwesenheit der christlichen Mitschülerinnen wieder hören, dass „die Juden Faullenzer seien, die, nur um nicht arbeiten zu müssen, jeden Augenblick Feiertag machen". Am letzten Jom-Kippur konnte die edle „christliche" Pädagogin nicht mehr umhin, den Bitten der jüdischen Schülerinnen um Befreiung von dem Schulbesuch nachzugeben. Da bekamen die Kinder die folgende Erbauungsrede dieser polnischen Jugendbildnerin auf den Weg mit: „Betet für die Sünden eurer Eltern und das ganze Volk Israel, das sich so schwer gegen das Christentum und die ganze Menschheit versündigt hat." Diese Unverschämtheit war selbst den Schülerinnen zu viel und sie hatten damals schon beschlossen, ihre Eltern zu zwingen, sie aus dieser Anstalt herauszunehmen. Merkwürdigerweise haben sich nicht mehr als fünf gefunden, die dem Wunsche ihrer Kinder und dem Gebote der Ehrenbaftigkeu tiefolgt sind. Diese fünf Schülerinnen sind vorige Woche aus dieser berüchtigten Schule ausgetreten. Bei solchen desolaten Zuständen ist es wahrhaftig nicht mehr zu verwundern, dass die galizischen Seelenfänger bei der Entführung jüdischer Mädchen ins Kloster so leichtes Spiel haben. BlldaDest. (D i e ungarische Regierung und die Juden.) Der offizielle Bericht über die Tätigkeit der ungarischen Regiemng im Jahie 1906 ist in den letzten Tagen erschienen. Er enthält auch einiges über das Verhältnis der Juden zum Staate. So ist aus dem Abschnitte „kirchliche Angelegenheiten" zu ersehen, dass unter den 3874 Seelsorgern, denen eine staatliche Gehaltsergänzung zuteil wurde, im Ganzen 63 Rabbiner sich befanden. Auch betreffs der staatlichen Unterstützung der Konfessionen wurde die jüdische Religion stiefmütterlich behandelt. Zur Deckung der kirchlichen und Schulbedürfnisse der beiden protestantischen Kirchen Ungarns wurde ins Staatsbudget für das Jahr 1907 ausser den bisherigen Dotierungen eine Million Kronen ins Budget aufgenommen. Dieser Betrag steigt im Jahre 1908 auf zwei und im Jahre 1909 auf drei Millionen. Die letztere Summe wird daun endgiltig beibehalten. Die staatliche Unterstützung für die jüdische Konfession aber beträgt nicht mehr als 60.000 Kronen; von einer künftigen Steigerung dieses Betrages ist im Berichte nicht die Rede. Nun bilden die beiden protestantischen Konfessionen zirka 4 pCt. und die Juden 4*4 pCt. dii Einwohner Ungarns. Die nicht einmal 4mal so zahlreichen Protestanten bekommen demnach hundertmal soviel an staatlicher Subvention wie die Juden. Ferner enthält der Bericht auch eine Statistik über die in diesem Jahre erfolgten Verurteilungen wegen Vergehen und Verbrechen. Diese Statistik ist ein äusserst günstiges Zeugnis für d.ie Moralität der ungarischen Juden.Von

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