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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 nicht zu unterschätzenden erziehlichen Wert haben, indem die Kenntnis und auch Liebgewinnung der überlieferten Bräuche der eigenen Religion zumal jene, die an gewissen Formen hängen, vor Nachahmung und Aneignung fremdreligiöser Bräuche am wirksamsten schützen. Deshalb erscheint als erstes Gebot für die Erziehung der jüdischen Jugend die richtige Vermittlung der ungeahnte Schätze auf allen Wissensgebieten bergenden jüdischen Lehre, sowie jüdischen Geschichte, und wenn die Wissenschalt dazu berufen ist, zwischen wahr und falsch unnachsichtig zu unterscheiden, so fällt der Religion die Aufgabe zu, den Unterschied zwischen Gut und Böse schon in das Herz des hiefür empfänglichen Kindes einzuimpfen. Innerhalb logiseben Denkens und ethischen Handelns kann dann jede Religion, deren äussere Formen ja mehr prophylaktische Zwecke verfolgen, in ihrem wesentlichen Kern neben der Wissenschaft unzweifelhaft ihren eigenen Platz einnehmen. Und auch das Judentum, schloss der Redner, ein vor Jahrtausenden gegründeter Verein zur Verbreitung des reinsten Monotheismus und wahrer Humanität, wird für sich weiter diesen Platz zu behaupten wissen. Der ungemein geist- und lichtvolle Vortrag des jungen Gelehrten aus der Schule Brentanos, eines Jüngers Steinschneiders, fcteinhals und Ludwig Steins, empfing seitens der überaus aufmerksam Lauschenden herzlichen und wohlverdienten Beifall. Anschliessend an den Vortrag fand zu Ehren des Vortragenden und unter einträchtiger Teilnahme einer stattlichen Reihe von Gästen aller Richtungen ein Gesellschaftsabend statt, der von dem Vereinsobmann Herrn kais. Rat F a 1 k o w i c z mit einem gehaltvollen Trinkspruche auf Herin Dr. PolJak eröffnet wurde, Die Professoren Dr. Kisch und Hirsch schlössen sich in ergänzenden Ausführungen ernster und launiger Natur auf das Würdigste an und auch die Toaste der Herren Doktor Kohner, Lebenhart, Leipen und Dr. W e 11 s c h feierten die glänzende Darbietung des Gastes nach Verdienst, wobei sich auch zur Besprechung aktueller Fragen und zu mannigfachen Anregungen erwünschte Gelegenheit ergab. Nachdem zum Schlüsse Herr Dozent Dr. Po Hak noch selbst Veranlassung nahm, den Rednern zu erwidern und hiebei neue Proben seines tiefgehenden philosophischen Wissens aufzuweisen, fand der so anregende, allseits als gelungen anerkannte Vereinsabend in weit vorgerückter Abendstunde seinen Abschluss. AUS dem nördlichen Böhmen wird uns geschrieben: Im Jännerhefte der „Monatscnrift" wurde über eine Vortragsreise des Sekretärs der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" durch eine Reihe böhmischer Städte berichtet. In diskreter Weise verschwieg der Bericht einen VorfaU, der sich in der Versammlung der Mitglieder der Kultusgemeinde Bodenbac h-T e t s c h e n abspielte. Nach dem Vortrage des Herrn Sekretärs konstatierte ein Teilnehmer der Versammlung mit lebhaftem Bedauern, dass die jüdischen Advokaten und Aerzte der beiden Schwesterstädte durch ihre Abwesenheit glänzen, und führte Klage darüber, dass die akademisch Gebildeten die jüdische Bürgerschaft in ihrem schweren Existenzkampfe nicht nur allein Hessen, sondern auch einem offenen Bekenntnisse ihres Judentums gerne aus dem Wege gingen. Der Delegierte der „Union" gab seinem Erstaunen über diese Indolenz Ausdruck und fügte unter dem Beifalle der Versammlung hinzu, dass gerade die jüdischen Advokaten und Aerzte von Bodenbach-Tetschen Ursache hätten, den Rechtsschutz-Bestrebungen der „Union" die werktätigste Förderung angedeihen zu lassen, weil ihnen selbst dieser Rechtsschutz bereits wirksam zugute gekommen sei. Als vor einigen Jahren die antisemitische Hetzpresse Nordböhmens den Boykott der jüdischen Aerzte und Advokaten zu predigen begann, habe die „Union" rasch und energisch eingegriffen und die Konfiskation all jener Blätter veranlasst, so dass die gefährliche Boykott-Bewegung im Keime erstickt wurde. Wenn schon nicht aus Interesse für das Judentum als solches, so hätten die graduierten Mitglieder der Gemeinde schon aus eigenem Interesse erscheinen und durch ihr persönliches Beispiel aufmunternd wirken müssen. Hoffentlich weiden solche Rekriminationen in Zukunft nicht mehr erforderlich sein.

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